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Schuldendrama Griechenland steht vor Woche der Wahrheit

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Wie geht's weiter? Auch die kommenden Wochen bleibt angespannt für die Menschen

(Foto: REUTERS)

Die Gläubiger prüfen die Sparvorschläge der griechischen Regierung. Am Wochenende soll eine Entscheidung fallen. Das sind die wichtigsten Termine der kommenden Tage.

Das von Staatsbankrott und Euro-Aus bedrohte Griechenland hat fristgerecht bei seinen europäischen Gläubigern Reformvorschläge eingereicht, die Voraussetzung für ein mögliches drittes Hilfspaket sind. Sie werden jetzt geprüft, dann müssten die Euro-Staaten grünes Licht für die Aufnahme von Verhandlungen geben. Der Zeitplan für die kommenden Tage:

Freitag, 10. Juli:

Die Gläubiger-Institutionen EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) prüfen die am Donnerstagabend eingereichten Reformvorschläge. Daneben werden kurzfristige griechische Staatsanleihen im Wert von zwei Milliarden Euro fällig. Und wenn Griechenland die privaten Gläubiger nicht bedienen kann? "Das wäre in der Tat dramatisch. Dann würden die Ratingagenturen den teilweisen Zahlungsausfall feststellen", sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher im Interview mit n-tv.de, schränkt aber ein: "Es handelt in diesem Fall ja fast ausschließlich um griechische Banken. Sie werden von der eigenen Regierung vermutlich gezwungen, die Anleihen zu kaufen - egal, zu welchem Zins."

Samstag, 11. Juli:

Die Euro-Finanzminister kommen zusammen, um die Lage und Griechenlands Sparvorschläge zu bewerten.

Sonntag, 12. Juli:

Der Sondergipfel zu Griechenland tagt - zunächst die 19 Euro-Länder und dann alle 28 EU-Staaten. Gibt es einen Durchbruch, würden die Staats- und Regierungschefs von ihrer Seite grünes Licht für die Aufnahme von Verhandlungen über das neue Hilfsprogramm geben. Scheitert der Gipfel, würde er wohl der Vorbereitung des Bankrotts und eines möglichen Grexits - eines Endes der Euro-Mitgliedschaft - Athens dienen.

Montag, 13. Juli:

Die Finanzminister der Eurozone kommen zu einem regulären Treffen in Brüssel zusammen. Am selben Tag muss Athen weitere 455 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Bei der Washingtoner Organisation ist Griechenland aber bereits seit Ende Juni in Zahlungsverzug - die fällige Rate von 1,5 Milliarden Euro wurde nicht von Athen überwiesen. Analysten erwarten auch eine wegweisende Entscheidung der EZB über die weitere Versorgung der griechischen Banken mit Notkrediten. Ohne Gipfel-Einigung könnte sich die EZB gezwungen sehen, den Stecker zu ziehen, was aller Voraussicht nach zum Kollaps des Bankensystems führen würde.

Dienstag, 14. Juli:

Nun tagen die Finanzminister der gesamten EU aus 28 Staaten. Zudem werden japanische Yen-Anleihen fällig, die von privaten Gläubigern Griechenlands gehalten werden. Der Betrag ist mit rund 83 Millionen Euro aber relativ gering.

Mittwoch, 15. Juli:

Der Bundestag könnte nach einer Einigung womöglich bereits über die Aufnahme von Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket abstimmen - falls das wegen der Sommerpause zu knapp ist, erst am Donnerstag. Auch in Estland, Finnland und den Niederlanden sind die Parlamente gefragt. Sind alle Hürden genommen, könnten die Verhandlungen im Detail beginnen, die je nach Entwicklung über mehrere Tage oder sogar Wochen laufen würden. Einem Ergebnis müssten dann erneut zumindest die Euro-Regierungen sowie auch der Bundestag und weitere Parlamente zustimmen.

Montag, 20. Juli:

Die größte Rückzahlungsrate im Juli wird fällig: Athen muss 3,5 Milliarden Euro an die EZB überweisen. Nur: Was passiert, wenn die Griechen nicht zahlen? "Eigentlich müsste die EZB ihre Unterstützung einstellen, wenn die Frist verstreicht. Die griechischen Banken würden dann zusammenbrechen und wären nicht mehr funktionstüchtig", sagt DIW-Präsident Fratzscher. Eine Möglichkeit sieht er jedoch: Die EZB könnte ihre Anleihen aufrechterhalten, wenn die Europäer eine Brückenfinanzierung anbieten oder Garantien übernehmen, damit die Kredite Griechenlands zumindest mittel- und kurzfristig bedient werden. "Aus eigener Kraft dürfte die EZB das nicht. Denn das wäre monetäre Staatsfinanzierung", sagt Fratzscher. "Die EZB hat sich ohnehin schon extrem großzügig gezeigt. Viel weiter kann sie nicht gehen."

Quelle: n-tv.de, cro/AFP

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