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Die Parteichefs von CSU, CDU und SPD, Horst Seehofer, Merkel und Schulz zum Abschluss der GroKo-Verhandlungen am Mittwoch.
Die Parteichefs von CSU, CDU und SPD, Horst Seehofer, Merkel und Schulz zum Abschluss der GroKo-Verhandlungen am Mittwoch.(Foto: imago/IPON)
Freitag, 09. Februar 2018

RTL/n-tv Trendbarometer: GroKo kann die Wähler kaum begeistern

Immerhin: Eine knappe Mehrheit der Befragten geben im RTL/n-tv Trendbarometer an, froh über die grundsätzliche Einigung auf eine neue Koalition zu sein. So eine richtige Euphorie ist jedoch nicht in den Umfrageergebnissen zu erkennen.

Die Mehrheit der Bundesbürger ist froh, dass endlich eine Koalitionsvereinbarung zustande gekommen ist und Deutschland wieder "richtig" regiert werden kann. Im aktuellen RTL/n-tv Trendbarometer gaben 52 Prozent der Befragten dies an. 40 Prozent sind allerdings eher besorgt über die Aussicht auf eine schwarz-rote Regierung. Positiv werten die Anhänger der CDU (76 Prozent), der CSU (68 Prozent), der SPD (66 Prozent) und der Grünen (61 Prozent) die Einigung, negativ urteilen die Anhänger der FDP (62 Prozent), der Linken (57 Prozent) und der AfD (80 Prozent).

Von Aufbruchstimmung oder gar einer "Erneuerung der Gesellschaft" kann nach Einschätzung der Deutschen jedoch keine Rede sein: 86 Prozent der Befragten bewerten die Große Koalition als eine Art "Notgemeinschaft". Darin sind sich die Anhänger aller Parteien mit nur geringfügigen Abweichungen einig. Entsprechend erwartet auch nur eine Minderheit der Befragten von 9 Prozent, dass sich die Lage der Menschen durch die Beschlüsse bei den Koalitionsverhandlungen verbessern wird. 73 Prozent glauben, es werde sich nichts verändern; 15 Prozent denken sogar, die Situation der Menschen werde sich verschlechtern. Die positivsten Erwartungen haben die Anhänger der SPD (23 Prozent), dagegen befürchten 43 Prozent der AfD-Anhänger, durch Schwarz-Rot werde alles schlechter.

Wer ist Sieger der Koalitionsverhandlungen?

Knapp 40 Prozent der Befragten sind der Auffassung, die Unionsparteien hätten mehr ihrer politischen Vorstellungen durchgesetzt als die SPD. Im Einzelnen: 26 Prozent meinen, die CDU habe sich am besten durchgesetzt, 12 Prozent denken das von der CSU und 30 Prozent von der SPD. 18 Prozent sind überzeugt, alle drei Parteien hätten sich in gleichem Maße durchgesetzt.

Nur eine Minderheit (8 Prozent) sieht Angela Merkel nach den Koalitionsverhandlungen gestärkt. 45 Prozent der Befragten halten sie für geschwächt, 40 Prozent sind der Meinung, es habe sich nichts geändert. Forsa-Chef Manfred Güllner gegenüber der Mediengruppe RTL: "Merkel sieht durch die Koalitionsverhandlungen knapp die Hälfte aller Bundesbürger als geschwächt an. Dennoch möchte eine Mehrheit, dass sie für volle vier Jahre Kanzlerin der neu zu bildenden Regierung bleibt."

55 Prozent der Befragten wollen, dass Merkel die gesamte Legislaturperiode durchregiert, 39 Prozent dagegen fänden es besser, sie würde ihr Amt "vorher an jemand anderen übergeben". Die Anhänger der Unions-Parteien wünschen zu 81 Prozent, dass Merkel vier Jahre lang Kanzlerin bleibt. Die SPD-Anhängerschaft ist in dieser Frage gespalten - 48 Prozent sagen Ja zur kompletten Kanzlerschaft, 49 Prozent sind dagegen. Mehrheitlich für einen vorzeitigen Rücktritt sind die Anhänger der FDP (54 Prozent) und der AfD (82 Prozent).

Scholz wäre beliebtester SPD-Kandidat

Wen würden die Deutschen zum Kanzler wählen, wenn eine solche Direktwahl möglich wäre? Wenn Martin Schulz Kandidat der SPD wäre, würden 44 Prozent Merkel und nur noch 12 Prozent Schulz die Stimme geben - ein Vorsprung für Merkel von 32 Prozentpunkten. 44 Prozent würden keinen von beiden wählen. Wenn Andrea Nahles kandidieren würde, würden 46 Prozent Merkel und 23 Prozent Nahles wählen, 31 Prozent keinen von beiden. Wenn Olaf Scholz als Kandidat anträte, würden 45 Prozent Merkel und 27 Prozent Scholz wählen, 28 Prozent keinen von beiden.

Ist Andrea Nahles die richtige Lösung für den SPD-Parteivorsitz? 52 Prozent der Deutschen sagen: Nein, "jemand anderes wäre besser geeignet". 42 Prozent der Befragten trauen Nahles den SPD-Vorsitz zu. Unter den SPD-Anhängern sieht eine hauchdünne Mehrheit (49 Prozent) in Andrea Nahles eine gute Partei-Vorsitzende, 47 Prozent allerdings halten sie für ungeeignet. 46 Prozent der Bundesbürger glauben nicht daran, dass Nahles ihre Partei erneuern kann; 36 Prozent halten das doch für möglich. Unter den SPD-Anhängern ist das Urteil in dieser Frage positiver: 51 Prozent von ihnen trauen Nahles zu, die Sozialdemokratie zu erneuern; 32 Prozent sind pessimistisch.

Gegenüber einem Innenminister Horst Seehofer sind die Befragten skeptisch: 53 Prozent sind der Meinung, er werde das Amt nicht gut führen, 38 Prozent betrachten ihn positiv. Bessere Bewertungen erhält Peter Altmaier als möglicher Wirtschaftsminister: Von ihm erwarten 49 Prozent der Deutschen eine gute, 30 Prozent eine schlechte Amtsführung. Auch Olaf Scholz wird als Finanzminister von 48 Prozent der Befragten positiv, von 26 Prozent negativ bewertet.

Wenn nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen neu gewählt würde, gäbe es nur wenige Veränderungen gegenüber der Vorwoche. Die Union würde zwei Prozentpunkte einbüßen, die SPD kommt über den niedrigen Wert von 18 Prozent nicht hinaus. Die Ergebnisse im Einzelnen: CDU/CSU 31 Prozent (Bundestagswahl 32,9), SPD 18 Prozent (20,5), FDP 10 Prozent (10,7), Grüne 13 Prozent (8,9), Linke 10 Prozent (9,2), AfD 13 Prozent (12,6). 5 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2).

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Quelle: n-tv.de