Politik

Mit Hanf und Pilzen Klima retten Grüne fordern "Wende" für Bauwirtschaft

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Der Planet wird wärmer. Das hat auch mit der Bauwirtschaft zu tun.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viele Bereiche von Wirtschaft und Alltagsleben werden immer effizienter gestaltet, um die Klimaziele zu erreichen. Ein blinder Fleck dagegen ist aus Sicht der Grünen noch die Bauwirtschaft, die viele CO2-Emissionen produziere und Landschaften zerstöre. Sie legen ein Konzept für eine "Bauwende" vor.

Auf der Suche nach wirksamen Ansätzen zur Begrenzung der Klimaerwärmung nimmt die Grünen-Bundestagsfraktion die Baubranche ins Visier. In einem jüngst verabschiedeten Antrag fordert die Fraktion die Bundesregierung auf, eine "Bauwende" einzuleiten, um CO2-Emissionen und den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu mindern. "Der Bausektor ist der Wirtschaftszweig mit dem höchsten Ressourcenverbrauch und weltweit für ein Viertel aller CO2-Emmissionen verantwortlich", sagte Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt zu n-tv.de. "Die Hälfte unseres Mülls entsteht auf den Baustellen." Nur ein Bruchteil werde recycelt.

"Mit unserer gegenwärtigen Bautätigkeit verhindern wir die Umsetzung unserer Klima- und Nachhaltigkeitsziele. Wir brauchen eine Bauwende", erklärte Göring-Eckardt weiter. Der dem Bundestag zur Beratung anempfohlene Antrag zielt auf die Wiederverwertung von Baustellenmüll, auf den Einsatz regenerativer Baustoffe wie Holz sowie weniger Umweltschäden bei der Rohstoffgewinnung.

Im Zentrum dieser Überlegungen steht die sogenannte Graue Energie beim Bau, wie Chris Kühn, Grünen-Fraktionssprecher für Baupolitik, erklärt. "Graue Energie ist die Primärenergie, die zur Materialgewinnung, Herstellung, Transport und Entsorgung eingesetzt wird." Sie trage wesentlich zur Klimakrise bei: "Elf Prozent der globalen CO2-Emissionen entsteht allein bei der Herstellung von Baustoffen", sagt Kühn.

Verbrauch grauer Energie mindern

Um dem entgegenzuwirken, wollen die Grünen für Gebäude einen Ressourcenausweis, der die Umweltbelastung durch das einzelne Haus dokumentiert - und zwar von der Bauphase bis zum Abriss. Hierzu soll das Gebäudeenergiegesetz umgeschrieben werden, mit dem Ziel, neben höheren Energieeffizienzstandards auch den maximalen Verbrauch Grauer Energie vorzuschreiben.

Ein weiterer Aspekt ist die Wiederverwendung von Baumaterialien. "Notwendig ist ein neuer, an den Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft orientierter Ansatz beim Planen, Bauen und Nutzen", sagt Göring-Eckardt. So sollen unter anderem ein Rücknahmesystem für Baustoffe sowie verbindliche Quoten für den Einsatz kreislauffähiger Materialien eingeführt werden.

Ferner setzen die Grünen darauf, den Rohstoff Holz nachhaltiger zu produzieren, indem Wälder deutlich umweltverträglicher bewirtschaftet werden. Zudem sollen andere nachwachsende Rohstoffe wie Stroh, Hanf, Seegras und Pilze künftig mehr Beachtung finden. Bei der energieintensiven Herstellung von Stahl- und Zement setzt der Antrag auf die technologische Innovationen. Die Fraktion rechnet vor, dass in Deutschland jährlich 517 Millionen Tonnen mineralischer Rohstoffe verbaut werden. Das entspreche 90 Prozent des gesamten inländischen Rohstoffabbaus.

Impulse oder Belastung für die Wirtschaft?

Derweil soll der Einsatz besonders umweltschädlicher Baustoffe zurückgefahren werden. "Ziel des Antrages ist deshalb auch, umweltschädliche Subventionen und Regularien im Bausektor zu beseitigen", erklärt Kühn. "CO2-intensive Baustoffe und petrochemische Kunststoffe steuerlich zu subventionieren, ist widersinnig." Gemeint sind Energie- und Steuersubventionen für die Herstellung von Baustoffen wie Zement und Keramik. Zudem muss Erdöl nicht versteuert werden, wenn daraus Materialien wie Baustoffe hergestellt werden.

Ob der Antrag tatsächlich zur Beratung kommt, ist ungewiss. Die Grünen wähnen sich aber auf der Höhe der Zeit, weil auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei ihren ambitionierten Klimazielen auf den Bausektor setzt. Für ihren "Green Deal" will die Kommission die europäische Wirtschaft grundlegend umbauen, damit die EU bis zum Jahr 2050 klimaneutral wirtschaftet.

Während aus der Bauwirtschaft stets vor einer Überfrachtung mit Regeln und zusätzlichen Kosten gewarnt wird, betont Göring-Eckardt: "Das ist auch ein großer Wachstumsimpuls für zukunftsfähige Jobs in der Bauwirtschaft." Dem Grünen-Antrag zufolge gehört die Bauwirtschaft mit rund 870.000 Beschäftigten und einem Bruttoinlandsprodukt von 5,6 Prozent zu den größten Branchen in Deutschland.

Quelle: ntv.de