Politik

Kritik an Linke-Fraktionschefin Gysi rät Wagenknecht zur Neuorientierung

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Gregor Gysi, hier am 11. Februar in Bamberg, hat Linksfraktionschefin Wagenknecht heftig kritisiert.

(Foto: imago/Alexander Pohl)

Im September 2018 initiiert Sahra Wagenknecht die "Aufstehen"-Bewegung - mit bislang bescheidenem Erfolg. Ihr Parteigenosse Gysi prophezeit dem Projekt nun das baldige Ende und stellt Wagenknechts Eignung als Vorsitzende der Linkspartei infrage.

Der langjährige Linken-Fraktionschef Gregor Gysi hat seine Nachfolgerin Sahra Wagenknecht für deren Politik kritisiert und ihr zu einer Neuorientierung geraten. "Ich glaube, Sahra muss ihre Rolle in der Partei für sich neu definieren", sagte Gysi der "Rheinischen Post". Wagenknecht bleibe zwar wichtig für die Partei, doch "man muss immer wissen, was man gut kann und was man nicht so gut kann". Wagenknechts "Aufstehen"-Bewegung stößt bei vielen Linken-Politikern auf Skepsis, die darin eine Parallel- oder gar Konkurrenzorganisation zur Linkspartei sehen.

Gysi geht nach eigener Aussage davon aus, dass sich die im September 2018 von Wagenknecht ins Leben gerufene "Aufstehen"-Bewegung nach und nach von selbst erledigen wird. "Man kann eine Bewegung nicht von oben beschließen", sagte der 71-Jährige. Aufrufe von "Aufstehen" zu Protestaktionen von "Buntwesten" in mehreren deutschen Städten stießen nur auf begrenzte Resonanz.

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Sahra Wagenknecht (r.) hatte 2015 zusammen mit Dietmar Bartsch (l.) den Linksfraktionsvorsitz von Gregor Gysi (m.) übernommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zudem äußerte sich Gysi skeptisch zu Wagenknechts Sympathien für die "Gelbwesten"-Bewegung in Frankreich, die sich gegen die wirtschaftsliberale Politik von Präsident Emmanuel Macron richtet. Auch wenn deren Anliegen zum Teil gerechtfertigt seien, sind "die Methoden der Gelbwesten zum Teil nicht akzeptabel", sagte Gysi mit Blick auf deren häufig gewaltsames Auftreten. Teile der "Gelbwesten"-Bewegung fühlen sich auch eher dem rechten als dem linken politischen Spektrum zugehörig.

"Aufstehen" mit geringem Zulauf

Die "Aufstehen"-Bewegung Wagenknechts hat für den heutigen Samstag in Anlehnung an die "Gelbwesten" zu Protesten von "Buntwesten" in gut einem Dutzend deutschen Städten aufgerufen. In Berlin blieb die Teilnehmerzahl allerdings deutlich hinter der zuvor angekündigten Zahl von 500 Demonstranten zurück. In Düsseldorf gab es laut WDR etwa 200 Teilnehmer, die mehr soziale Gerechtigkeit forderten, in Erfurt nahmen laut MDR etwa 100 Menschen an einer Kundgebung teil.

Die Veranstalter der "Buntwesten"-Proteste distanzierten sich von rechtsextremen Positionen. Wagenknecht wird allerdings innerhalb der Linkspartei immer wieder vorgeworfen, besonders in der Ausländerpolitik mit Forderungen etwa nach einer Zuzugsbegrenzung Positionen aus dem rechten politischen Spektrum zu übernehmen. Davon distanzieren sich inzwischen auch einige der Gründungsmitglieder von "Aufstehen".

Quelle: n-tv.de, cri/AFP

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