Politik

AKK sieht ungeklärte Fragen "Habe eine Baustelle übernommen"

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Wegen des Streits mit der CSU hat die CDU das Thema Klimaschutz schleifen lassen. So sieht es zumindest AKK.

(Foto: imago images / Mauersberger)

Die vergangenen Wochen sind keine lupenreine Erfolgsstory für die CDU-Chefin. Nun macht Kramp-Karrenbauer ihrem Unmut Luft. Dabei attestiert sie der Partei programmatische weiße Flecken. Doch an allem schuld sein, das will sie auch nicht. Es gab immerhin eine Führungsmannschaft vor ihr.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht ihre Partei derzeit als "Baustelle". Grund sind etliche ungeklärte inhaltliche Fragen. Bei Themen wie dem Umwelt- und Klimaschutz habe es die CDU "in den letzten Jahren versäumt", ihre Konzepte weiterzuentwickeln, sagte sie im ZDF. "Diese Baustelle habe ich übernommen."

In der Radiosendung "NDR 2 Life Sounds" räumte Kramp-Karrenbauer ein, dass ihre Partei das entscheidende Thema Klimaschutz auch deshalb vernachlässigt habe, weil sie sich in den vergangenen Jahren einen Streit mit der CSU über die Migrationspolitik geliefert habe. "Deswegen ist da vieles liegen geblieben, und deswegen werden wir jetzt über den Sommer nachsitzen", sagte sie. "Ich habe mir vorgenommen, in die Debatte reinzugehen - und da werde ich die Partei auch treiben."

Die 56-Jährige führte die derzeitigen Probleme ihrer Partei ferner ausdrücklich auch auf Versäumnisse vor ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden zurück. Viele Menschen in Deutschland erwarteten von der Politik eine überzeugende Antwort im Kampf gegen den Klimawandel, sagte sie im ZDF weiter. "Eine kluge Partei muss diesen Ruf hören." Dies wolle die CDU nun tun. Bis September wolle sie ein Konzept zum Klimaschutz vorlegen. Zur Schärfung des inhaltlichen Profils der CDU soll zudem ein Konzept zur "Mobilität der Zukunft" beitragen. Eine zentrale Rolle spielt in dem Papier die Förderung der Elektromobilität.

Kramp-Karrenbauer war im Dezember zur Nachfolgerin von Angela Merkel an die CDU-Spitze gewählt worden. Sie selbst als neue Vorsitzende habe nun die Aufgabe, "diese Partei weiter nach vorne zu entwickeln", sagte sie weiter. Dabei bat sie um Geduld: "Das ist kein Programm für drei Tage oder drei Wochen."

AKK hat Rezo-Video unterschätzt

Im NDR räumte sie ferner Unsicherheiten im Umgang mit Medien ein. Sie habe die Wirkung mancher ihrer Worte falsch eingeschätzt, sagte sie. "Man gibt ein Interview und denkt: 'Das war jetzt ganz okay' - dann sieht man am nächsten Morgen die Schlagzeile", sagte sie. Das Resultat: "Ab dem nächsten Interview redet man nur noch mit einer Schere im Kopf - nach dem Motto: 'Was könnte daraus gemacht werden?'"

Dies führe dann dazu, "dass man sich nur noch an die Formulierungen hält, die geprüft und sicher sind", bedauerte die CDU-Politikerin. Es gebe bei vielen Menschen einen ausgeprägten Wunsch nach Authentizität. "Allerdings ist die Bereitschaft, wenn jemand authentisch unterwegs ist, ihn in Grund und Boden zu stampfen, auch ausgeprägt", klagte die CDU-Chefin in dem Interview, das am Abend ausgestrahlt werden sollte. Sie selber wolle gerne authentisch auftreten und auf Phrasen verzichten - dies sei aber nicht einfach.

Konkret räumte die Parteichefin ein, das CDU-kritische Video des Youtubers Rezo unterschätzt zu haben. Dabei habe sie es persönlich auch versäumt, den Rat ihres 21-jährigen Sohnes Julian einzuholen. "Wir haben darüber gar nicht gesprochen, weil ich in dieser Phase sehr viel unterwegs war und viele Termine hatte", sagte sie. "Deswegen habe ich kein längeres Telefonat mit meinem Sohn geführt - hätte ich es mal tun sollen!"

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP

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