Politik

Corona-Gefahr in Moria Habeck dringt auf Evakuierung

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Habeck erinnert an die "Koalition der Willigen".

(Foto: picture alliance/dpa)

Schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie waren die Zustände in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäisinseln katastrophal. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Virus die Zeltstädte erreicht. Grünen-Chef Habeck fordert die Bundesregierung zum Handeln auf.

Grünen-Chef Robert Habeck fordert angesichts der Corona-Pandemie von der Bundesregierung mehr Engagement für die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln. Die Lage der Menschen dort sei "ohnehin dramatisch", sagte Habeck der "Welt am Sonntag". "Überfüllung, fast keine medizinische Ausstattung, miserable Hygiene." Sollte in den Lagern das Coronavirus ausbrechen, werde dies katastrophale Folgen haben.

Der Grünen-Vorsitzende rief dazu auf, die Lager so schnell wie möglich zu evakuieren. "Andere Europäer, auch Deutschland, sollten helfen. Dazu gehört die schon zugesagte Aufnahme von Kindern."

Die Bundesregierung hatte Anfang März zugesagt, als Teil einer "Koalition der Willigen" einen "angemessenen Teil" von bis zu 1500 besonders schutzbedürftigen Minderjährigen aus den griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. "Natürlich ist das in der Lage schwierig", sagte Habeck mit Blick auf die Corona-Krise. "Aber die Lehre aus Corona muss sein, mehr Kooperationsgeist, Entschlossenheit und Solidarität. Im eigenen Land wie international. So könnten wir auch die anderen Krisen angehen."

Grünen-Chef fände freiwillige App gut

Habeck zeigte sich auch offen für den Einsatz einer App, mit der sich Kontakte nachvollziehen lassen. "Entscheidend ist die Freiwilligkeit", sagte Habeck der "Welt am Sonntag". "Wenn wir etwa freiwillig eine App nutzen, die unsere Begegnungen nachträglich nachvollziehbar macht und dies ermöglicht, Kontaktverbote für alle aufzuheben und stattdessen zielgenauer vorzugehen, halte ich das für richtig und vertretbar."

Seit Tagen wird in Deutschland über den möglichen Einsatz von Handydaten diskutiert, um mögliche Kontaktpersonen von Infizierten zu finden und zu warnen. Unionspolitiker wollen möglichst bald eine App auf freiwilliger Basis einsetzen, die wie eine Art digitales Tagebuch funktionieren soll. Falls der Besitzer positiv auf das Coronavirus getestet wird, soll sie automatisch anonymisierte Hinweise an alle Menschen versenden, die in den zurückliegenden zwei Wochen mit ihm Kontakt hatten. Eine Nachricht würde allerdings wohl nur erhalten, wer eine solche App selbst auf sein Mobiltelefon heruntergeladen hat.

Mit Blick auf die zahlreichen verhängten Einschränkungen in der Corona-Krise sagte Habeck, die sozialen und ökonomischen Konsequenzen würden von Tag zu Tag dramatischer. "Insofern müssen wir eine alternative, zielgenauere Strategie entwickeln", sagte er. Man solle jetzt die Zeit nutzen, um "das Gesundheitssystem robust zu machen: mehr medizinische Geräte, Schutzkleidung, Testkapazitäten, Forschung an Therapien und Impfstoffen".

"Das Ende des Shutdowns wird aber wahrscheinlich nicht heißen, dass wir an einem Tag X sofort in den Zustand von vor dem Ausbruch der Corona-Epidemie kommen, sondern Maßnahmen haben werden, die die Überlastung des Gesundheitssystems dauerhaft verhindern." Dies mit aller Kraft vorzubereiten, sei die Aufgabe der nächsten Wochen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/vpe/dpa