Politik

"Spiegel"-Redakteur zu Strache "Haben die Politiker damit konfrontiert"

Der österreichische FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache tritt als Vizekanzler und Chef seiner Partei zurück. Grund dafür ist ein Video, in dem er mit einer vermeintlichen russischen Investorin über einen Wahlsieg verhandelt. "Spiegel"-Redakteur Wolf Wiedmann-Schmidt hat das Video veröffentlicht.

n-tv: Hätten Sie damit gerechnet, dass Ihre Enthüllungen Strache zu Fall bringt?

Wolf Wiedmann-Schmidt: Wir haben erwartet, dass das große Diskussionen auslösen wird, dass es Debatten geben wird, was die Folgen draus sind. Dass es aber so schnell geht und dass gleich am nächsten Tag der Rücktritt folgt, hätte ich persönlich jetzt so nicht erwartet. Aber, es war klar, weil die Aussagen sehr brisant sind, dass es Debatten geben wird und es in irgendeiner Form Folgen haben muss.

Woher kommt das Material und wann wurde es Ihnen zugespielt?

Wir können aus Quellenschutzgründen nicht sagen, welche Herkunft das Material hat. Wir, der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung", haben es zugespielt bekommen. Wir haben es ausgewertet, haben auch sichergestellt, dass es nicht gefälscht ist und haben uns dann dazu entschieden, es zu machen.

Wann war der Zeitpunkt, wann Sie das Video bekommen haben? Wie viel Zeit mussten Sie in die Analyse stecken?

Wir haben es im Laufe des Monats bekommen. Wir haben externe Gutachter eingeschaltet, die das überprüfen sollten. Darunter waren Digital-Forensiker, die schauen sollten, dass nichts am Ton oder am Video verändert wurde. Da mussten wir uns 100 Prozent sicher sein. Dann haben wir die Politiker damit konfrontiert, die das Treffen dann auch eingeräumt haben. Daran gibt es auch keinen Zweifel mehr.

Zum aufgetauchten Video nimmt FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker wie folgt Stellung: "Derzeit prüfen unsere Rechtsanwälte das uns zugängliche Material. Da das Video ganz offensichtlich illegal aufgenommen wurde, bereiten wir auch entsprechende Rechtsschritte vor". Bereiten Sie sich auch auf einen Rechtsstreit vor?

Wir haben abgewogen. Wie gehen wir damit um? Wir haben das öffentliche Interesse an den Ausschnitten, die wir gezeigt haben, als sehr hoch bewertet. Da wird unverhohlen angeboten, wenn man der FPÖ auf Platz eins verhilft, dann gebe es öffentliche Aufträge. Das hat für uns gerechtfertigt, dass wir damit an die Öffentlichkeit gehen.

Können Sie etwas zur Motivation des Videoübermittlers sagen? Oder: Können Sie dazu etwas sagen, warum es knapp zwei Jahre später veröffentlicht wurde?

Dazu kann ich nichts sagen, weil wir keine gesicherten Erkenntnisse dazu haben. Deswegen will ich auch ungern darüber spekulieren. Ich kann auch nur sagen, dass wir das nicht mit Absicht vor der Europawahl platziert haben. Wir haben das Video im Laufe des Monats bekommen und ausgewertet. Und als wir uns dann sicher waren, dass es authentisch und echt ist, haben wir gesagt, dann publizieren wir das Video.

Was ist auf den restlichen Stunden des Videos zu sehen? Was kann da noch kommen?

Da möchte ich genau so wenig spekulieren. Wir haben gezielt eine Auswahl getroffen. Genau die Aussagen, die wir für öffentlich relevant halten. Wir werden nicht private Plaudereien öffentlich machen. Uns ging es nur darum, die politisch brisanten Vorgänge öffentlich zu machen. Bei allem weiteren haben wir entschieden, es nicht öffentlich zu machen, weil es da nicht hingehört.

Quelle: n-tv.de

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