Politik

Attentat löst Entsetzen aus Haitis Präsident von Unbekannten erschossen

Die Täter überraschen ihn in seinem eigenen Haus: Unbekannte haben in der vergangenen Nacht den haitianischen Staatspräsidenten Moise ermordet. Auch seine Frau wurde verletzt und befindet sich im Krankenhaus.

Haitis Präsident Jovenel Moise ist nach Angaben der Regierung zu Hause ermordet worden. Eine Gruppe bislang unbekannter Angreifer habe in der Nacht die Privatresidenz des Präsidenten überfallen und Moise erschossen, teilte Interimsministerpräsident Claude Joseph mit. Er sprach von einer "unmenschlichen und barbarischen" Tat. Moises 53-jährige Frau sei verletzt worden und befinde sich in medizinischer Behandlung. Es würden alle Maßnahmen ergriffen, um die Kontinuität des Staates zu garantieren und die Nation zu schützen.

Polizei und Armee hätten die Lage unter Kontrolle. Allerdings waren in weiten Teilen der Hauptstadt Port-au-Prince Schüsse zu hören. Joseph rief später in einer TV-Ansprache den Ausnahmezustand aus. Zudem forderte er die UN auf, so schnell wie möglich ein Treffen des Sicherheitsrats abzuhalten. Weltweit reagierten Regierungen entsetzt auf das Attentat. Es ereignete sich inmitten einer Spirale der Gewalt im Zuge zunehmender Bandenkriminalität und einer verschärften Krise in dem verarmten Karibikstaat, der unter einer schweren Nahrungsmittelknappheit leidet.

Moise war seit 2017 im Amt und regierte seit mehr als einem Jahr per Erlass, weil die Ausrichtung einer Wahl scheiterte. Die Opposition warf ihm Korruption und den Aufbau einer Diktatur vor. Moise hatte die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrungen, mit der er nach eigenen Angaben für mehr politische Stabilität sorgen wollte. Die Dominikanische Republik schloss in Reaktion auf das Attentat ihre Grenze mit Haiti auf der Insel Hispaniola. "Dieses Verbrechen ist eine Attacke auf die demokratische Ordnung Haitis und die Region", sagte der Präsident des Nachbarlands, Luis Abinader. Kolumbiens Präsident Ivan Duque forderte, Soldaten nach Haiti zu schicken, die für Ruhe sorgen sollten.

Die US-Botschaft in Haiti blieb am heutigen Mittwoch geschlossen. US-Präsident Joe Biden bezeichnete die Situation in Haiti als "sehr beunruhigend". Die USA sicherten dem Land und der Bevölkerung Unterstützung zu, sagte Präsidialamtsprecherin Jen Psaki in Washington. UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte den Anschlag. Die Täter sollten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte sein Sprecher. Haiti befindet sich in einer politischen Dauerkrise. Von dem Erdbeben vor mehr als zehn Jahren mit mehr als 300.000 Toten hat sich das Land nie richtig erholt. Armut, Unruhen, Entführungen und Korruption prägen den Alltag in dem Karibikstaat.

Quelle: ntv.de, sso/dpa/rts/AFP

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