Politik

Hunderte Menschen gedenken Halle ist weit entfernt vom Alltag

125465108.jpg

(Foto: picture alliance/dpa)

Blumen werden niedergelegt, Kerzen angezündet und Kundgebungen gehalten: In Halle gedenken Hunderte Menschen der Opfer des rechtsterroristischen Anschlags. Neben einer Schweigeminute kommt es auch zu Protesten gegen die Parolen eines stadtbekannten Rechtsextremen.

Nach dem Attentat in Halle sind Hunderte Menschen zu den Tatorten gekommen und haben der Opfer des Terroranschlags gedacht. Der Abschluss einer Wahlkampfveranstaltung zur Oberbürgermeisterwahl auf dem Marktplatz wurde abgesagt, stattdessen gab es dort am Nachmittag eine Kundgebung des Bündnisses "Halle gegen Rechts - Bündnis für Zivilcourage".

Vor der Synagoge und dem Döner-Imbiss, wo der Attentäter am Mittwoch eine Frau und einen Mann erschossen hatte, wurden weiter Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet. Am frühen Abend standen etliche Menschen mit Kerzen an der Synagoge, bevor es in dem Gotteshaus die Sabbat-Feier geben sollte. Mit der Lichteraktion zeigten sie, dass sie die Synagoge beschützten, erklärte Landesbischof Friedrich Kramer von der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Zu der Aktion hatten die leitenden Geistlichen der Kirchen in Sachsen-Anhalt aufgerufen. "Einen Angriff auf die jüdische Gemeinde sehen wir zugleich auch als einen Angriff auf unsere Kirchen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haselhoff von der CDU betonte: "Wir wollen ein Zeichen setzen dafür, dass wir nicht nur gemeinsam zusammenstehen in dieser Gesellschaft, sondern es geht auch darum, dass jeder Gläubige und alle Gläubigen - egal, welcher Religion sie angehören - sicher ihre Gottesdienste und ihre Religion feiern und auch ausüben können."

Attentat ist allgegenwärtig in der Stadt

Zuvor hatten sich nach ersten Schätzungen der Polizei etwa 600 Menschen auf dem Marktplatz zu einer Schweigeminute versammelt. Zwischenzeitlich protestierten zahlreiche von ihnen gegen einen stadtbekannten Rechtsextremen, der nur wenige Meter entfernt per Lautsprecher Parolen vom Dach seines Autos gerufen hatte. An der Aktion des Mannes nahmen einige wenige Menschen teil. Ein großes Polizeiaufgebot hielt die beiden Gruppen auseinander.

125464849.jpg

Menschen legen an der Mauer der Synagoge in Halle Blumen und Kerzen nieder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Terroranschlag mit zwei Toten, zwei Verletzten und mehr als 50 bedrohten Gläubigen in der Synagoge ist in der Saalestadt allgegenwärtig. Nach Alltag ist kaum jemandem zumute. Unter den Menschen, die zum Gedenken kamen, war der 18-jährige Elias. Der Azubi kam mit seiner Freundin zum Dönerladen, um eine Blume abzulegen. Er sei fast jeden Tag in dem Imbiss gewesen, erzählte er. Seit dem Anschlag vom Mittwoch, bei dem der Laden vom Täter beschossen wurde und ein 20 Jahre alter Fußballfan aus Merseburg starb, ist dieser abgesperrt.

Fotos erinnern an das Opfer, daneben steht "Wir vermissen dich". Um einen Baum sind Fanartikel vom Lieblingsverein des 20-Jährigen gewickelt, dem heimischen Drittligisten Hallescher FC. "Schlimm, dass so ein junger Mensch wegen so eines Psychopathen sterben musste", sagte eine Frau, die ebenfalls Blumen ablegt. Gemeinsam mit drei weiteren Profi-Sportvereinen der Stadt verständigte sich der HFC auf eine gemeinsame Aktion gegen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus.

Welle der Solidarität

125463781.jpg

Vor der Sabbat-Feier vor der Synagoge versammeln sich Menschen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, berichtete von einer großen Welle der Solidarität. Er sei seit halb fünf Uhr morgens damit beschäftigt gewesen, die vielen Mails und Nachrichten zu beantworten, sagte er am Vormittag. "Das zeigt wirklich, dass wir nicht allein sind." Einige Juden, die den Anschlag am Mittwoch miterlebten, hatten laut Prizorozki bereits angekündigt, auch zur Sabbat-Feier in die Synagoge zu kommen. Zuvor habe er befürchtet, dass sie aus Angst wegbleiben könnten.

Zum Zeitpunkt des Anschlags war am Mittwoch keine Polizei vor Ort. Laut Landesinnenminister wurde das Gotteshaus durch unregelmäßige Streifenfahrten gesichert. Am Donnerstag wurde angekündigt, dass die jüdischen Objekte in Sachsen-Anhalt langfristig von der Polizei geschützt werden sollten. CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer dringt zudem auf bundesweit einheitliche Standards beim Polizeischutz für Synagogen.

* Zu den Hintergründen des Terrors von Halle sehen Sie bei TVNOW eine ausführliche Chronologie der Ereignisse.

Quelle: n-tv.de, Von Fabian Albrecht und Franziska Höhnl, dpa

Mehr zum Thema