Angriffe auf RechtsextremeAntifa-"Hammerbande" bricht vor Gericht ihr Schweigen

Mit Fäusten, Schlagstock und Hammer sollen sie in Budapest und Erfurt mutmaßliche Neonazis angegriffen haben. Nun sagen Mitglieder der "Hammerbande" aus und räumen einzelne Taten ein. Einen Tötungsvorsatz bestreiten sie aber weiterhin.
Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen sechs Antifa-Aktivisten am Düsseldorfer Oberlandesgericht haben die Angeklagten ihr Schweigen gebrochen und ausgesagt. Sie bestätigten, diejenigen zu sein, die auf Aufnahmen von Überwachungskameras 2023 in Budapest zu sehen sind. Eine Angeklagte räumte auch ein, sich an einem von mehreren Angriffen auf Rechtsextremisten beteiligt zu haben.
Die Angriffe ereigneten sich im Umfeld des jährlich begangenen "Tags der Ehre" in Budapest - eines der größten Treffen der rechtsextremen Szene in Europa. Die Angeklagten sollen am Rande des Treffens Rechtsextreme attackiert und zum Teil schwer verletzt haben.
"Hielt den Eintritt tödlicher Verletzungen für vollkommen ausgeschlossen"
Den Angeklagten aus Jena und Leipzig wird auch die Bildung einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie waren beim Prozessbeginn im Januar 22 bis 25 Jahre alt und sollen Mitglieder der sogenannten Antifa-Ost sein, die der Generalbundesanwalt als militante linksextreme Vereinigung einstuft.
Gegen die Gruppe gab und gibt es mehrere Prozesse, darunter ein noch laufender in Dresden und das abgeschlossene Verfahren gegen eine non-binäre Person, Maja T., in Budapest. Der mutmaßliche Kopf der Gruppe, Lina E., wurde 2023 bereits vor dem Oberlandesgericht Dresden zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sie kam Ende Mai vorzeitig auf Bewährung frei.
Lina E. sollte sich folgend in einem weiteren Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden als Zeugin zu den Taten äußern, für die sie 2023 schuldig gesprochen worden war. Nach Auffassung des Senats und der Bundesanwaltschaft wäre sie dazu auch verpflichtet gewesen. Sie verweigerte jedoch die Aussage, woraufhin ihr sechs Monate Beugehaft angeordnet wurden.
In der Düsseldorfer Verhandlung bestritten alle Angeklagten vehement eine Tötungsabsicht. Sie hätten den Tod der Angegriffenen nicht in Kauf genommen und schon gar nicht beabsichtigt. "Ich hielt den Eintritt tödlicher Verletzungen für vollkommen ausgeschlossen", sagte eine Angeklagte. Die Tötung von Menschen widerspreche ihren Überzeugungen.
Nazis hätten damals Familienmitglieder von ihr ermordet. Sie habe sich gegen das Wiedererstarken des Rechtsextremismus in Thüringen engagiert. Der einzige männliche Angeklagte sagte, der Vorwurf des versuchten Mordes sei absurd und offenbare die politische Motivation der Bundesanwaltschaft.
Hauptsächlich junge Frauen
In dem Prozess stehen fünf junge Frauen und ein Mann vor Gericht - wegen Überfällen auf Rechtsextremisten in Budapest und Erfurt sowie auf einen Thor-Steinar-Laden und die dortige Verkäuferin in Erfurt.
Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten versuchten Mord vor. Sie hätten mehrere Opfer lebensgefährlich verletzt, als sie mit Schlagstock und Hammer auf sie eingeschlagen und dabei auch auf den Kopf gezielt hätten. Den Tod der Opfer hätten sie damit in Kauf genommen. In Medien war auch von der "Hammerbande" die Rede.