Politik
2012 in Mali: Islamisten bereiten sich darauf vor, einem Dieb den Arm abzuschneiden.
2012 in Mali: Islamisten bereiten sich darauf vor, einem Dieb den Arm abzuschneiden.(Foto: AP)
Samstag, 19. August 2017

Frauen öffentlich ausgepeitscht: "Handabschneider" von Gao verurteilt

Aliou Mahmar Touré war als Polizeichef im malischen Gao berüchtigt: So soll er Dieben die Hand abgeschnitten und nicht ordnungsgemäß verschleierte Frauen ausgepeitscht haben. Nun muss er für Jahre ins Gefängnis.

Der Polizeichef während der islamistischen Herrschaft im malischen Gao ist wegen seiner Gewalttaten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Aliou Mahmar Touré, der als "Handabschneider" von Gao Bekanntheit erlangte, wurde von einem Gericht in der malischen Hauptstadt Bamako aller ihm zur Last gelegten Verbrechen schuldig gesprochen. Allerdings erkannte das Gericht "strafmildernde Umstände" an.

Angeklagt wurde Touré unter anderem wegen Gefährdung der staatlichen Sicherheit und schwerer Körperverletzung, jedoch zum Unmut von Menschenrechtsorganisationen nicht wegen Folter oder Kriegsverbrechen. Touré war Polizeichef in Gao, der größten Stadt im Norden Malis, als die Dschihadisten dort zwischen 2012 und 2013 herrschten. 2013 wurde er von der malischen Armee gefangen genommen.

Touré wird vorgeworfen, er habe Dieben die Hand abgeschnitten und Frauen, die nicht wie vorgeschrieben verschleiert waren, öffentlich ausgepeitscht. "Das war ich nicht. Das waren die mauretanischen, algerischen und sahrauischen Dschihadisten, die die Hände abschnitten", hatte Touré bei seiner einzigen Anhörung beteuert. Der Prozess dauerte nur einen Tag.

Menschenrechtler enttäuscht

Der Präsident der Malischen Vereinigung für die Verteidigung der Menschenrechte, Moctar Mariko, der einige Zivilkläger in dem Verfahren vertrat, bezeichnete die zehnjährige Haftstrafe als zu milde. "Ich hätte doch eine schwerere Strafe erwartet", erklärte er.

Tourés Anwalt Tiessolo Konare erklärte hingegen, die Verurteilung seines Mandanten gründe sich nicht auf unwiderlegbare Beweise. Touré habe nicht zur ersten Garde der Dschihadisten gehört. Führende Dschihadisten seien hingegen noch auf freiem Fuß.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt, mehrere islamistische Gruppierungen brachten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein. Sie wird inzwischen von der UN-Mission unterstützt, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist.

Quelle: n-tv.de