Kinschal könnte gezähmt seinHat die Ukraine eine der berüchtigtsten russischen Waffen geknackt?

Besonders in den ersten Kriegsjahren sorgen Russlands Kinschals für Schrecken. Sogar das US-Flugabwehrsystem Patriot soll aufgrund der hohen Geschwindigkeit Probleme mit ihnen haben. Eine ukrainische Einheit hat eigenen Angaben zufolge jedoch ein sehr wirksames Mittel gegen die Raketen gefunden.
Die Luftverteidigungseinheit "Night Watch" der ukrainischen Streitkräfte will es geschafft haben, mittels elektronischer Kriegsführung die Hyperschallrakete Kinschal zu knacken. Dem Medium "Kyiv Independent" sagte ein Kommandeur mit dem Rufnamen "Alchemist", seit 2023 sei ein zunehmend ausgeklügeltes System von Stationen mit Störsignalen in der Ukraine aufgebaut worden. "Als wir unseren Schirm der elektronischen Kriegsführung errichtet hatten, erreichte von 59 gestarteten Kinschals nur eine ihr Ziel. Alle anderen wurden neutralisiert."
Dem Bericht zufolge trägt das System den Namen "Lima". Auf einem Video des Entwicklers Cascade Systems ist demnach zu sehen, wie eine Kinschal-Hyperschallrateke harmlos in einem ländlichen Gebiet niedergeht. Die Reichweite der Stationen mit den Störsignalen wird mit 300 Kilometern angegeben. In den ersten drei Monaten dieses Jahres habe man 26 Kinschals daran gehindert, ihre Ziele zu treffen, so der "Alchemist".
Die Angaben lassen sich nicht überprüfen. Sollten sie sich bewahrheiten, hätte die Ukraine eine bemerkenswerte eigene Fähigkeit entwickelt. Der Krieg ist jedoch auch ein Rüstungswettlauf in der Elektronik auf beiden Seiten. Die erlangten Vorteile durch Störmaßnahmen könnten eines Tages wieder dahin sein, wenn die andere Seite ein Gegenmittel findet.
Kinschals sind ballistische Raketen, die aus sicherer Entfernung von russischen Kampfbombern abgefeuert werden. Sie kommen auf eine Reichweite bis zu 2000 Kilometern und können Geschwindigkeiten von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde erreichen. Ihre Kosten sind hoch: Laut Center for Strategic and International Studies 15 Millionen US-Dollar pro Stück. Russland bezeichnete die Waffe gerne als unbesiegbar und nicht abzufangen. Dennoch soll es laut ukrainischen Angaben in den vergangenen Jahren möglich gewesen sein, Kinschals auch mit Patriot-Flugabwehrsystemen vom Himmel zu holen.
Iskander-Raketen ebenfalls gefährlich
Die Kreml-Streitkräfte terrorisieren die Ukraine mit einer Reihe weiterer ballistischer Raketen wie zum Beispiel Iskander-M. Auch sie können Hyperschallgeschwindigkeiten von über 6000 Kilometern pro Stunde erreichen, werden in der Regel aber nicht als Hyperschallraketen bezeichnet.
Bei russischen Großangriffen auf die Ukraine gibt es nach wie vor immer wieder Einschläge von Iskander-Raketen und anderen Flugkörpern. Möglicherweise werden sie nicht gleichermaßen wie die Kinschals von "Lima" gestört, weil sie besser gegen äußere Einflüsse gewappnet sind. Dementsprechend braucht es vor allem Patriot-Flugabwehrsysteme oder auch SAMP/T und die dazugehörigen Abfangraketen gegen die Bedrohung durch Iskander. Es gibt in der Ukraine jedoch einen chronischen Mangel dieser Systeme durch mangelnde Ausstattung westlicher Partner.