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Eigentlich ist Fidschi Gastgeberland, doch dort gibt es nicht die Kapazitäten, um eine so große Konferenz abzuhalten. Daher springt nun Bonn ein, wo das UN-Klimabüro seinen Sitz hat.
Eigentlich ist Fidschi Gastgeberland, doch dort gibt es nicht die Kapazitäten, um eine so große Konferenz abzuhalten. Daher springt nun Bonn ein, wo das UN-Klimabüro seinen Sitz hat.(Foto: REUTERS)
Montag, 06. November 2017

Weltklimakonferenz beginnt: Hendricks weiß, wie schwer das wird

Es ist das größte zwischenstaatliche Treffen, das es je in Deutschland gab: An der Weltklimakonferenz in Bonn wollen 25.000 Menschen teilnehmen. Direkt zum Auftakt geht es um das ganz große Thema. Und damit auch um die künftige Bundesregierung.

Mitten im Streit um die deutschen Klimaziele hat die Weltklimakonferenz in Bonn mit dem Aufruf zu größerer Anstrengung im Kampf gegen die Erderwärmung begonnen. Die Abkehr von Kohle, Öl oder Gas sei weltweit nicht einfach, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks zum Auftakt des Treffens von Vertretern aus fast 200 Staaten. "Und ich persönlich weiß ganz genau, wie schwierig das ist", sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf die Debatte über den deutschen Kohleausstieg, die auch die Sondierungsgespräche von Union, FDP und Grünen erschwert.

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Deutschland hinkt seinem nationalen Ziel für 2020 weit hinterher. Umweltverbände mahnten einen schnellen Kohleausstieg an. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries sagte, Klimapolitik habe nur Erfolg, wenn Wirtschaft und Arbeitsplätze nicht litten. Nächste Woche will Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Konferenz sprechen, die in Bonn unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln stattfindet. "Lassen Sie uns die harten Entscheidungen treffen, die wir treffen müssen", sagte Fidschis Premierminister Frank Bainimarama. "Wir dürfen nicht versagen." Die Inseln sind durch den Anstieg des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels direkt bedroht.

Hendricks betonte, es sei ein Signal, dass die Konferenz unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln stehe. Man müsse sich beim Kampf gegen den Klimawandel stärker auf diese Länder konzentrieren. Die Bundesregierung kündigte an, 100 Millionen Euro den ärmsten Ländern zusätzlich zur Verfügung zu stellen, um mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Alle bisherigen Zusagen der Weltgemeinschaft, die für das Pariser Klimaabkommen getroffen wurden, werden den Anstieg der Temperatur nicht unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit halten. "Wir brauchen noch mehr Ehrgeiz", sagte Patricia Espinosa, die Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention.

Riesiger Andrang, große Ziele

Das Treffen in Bonn ist die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat. Es werden bis zu 25.000 Teilnehmer erwartet, mit rund 500 Nichtregierungsorganisationen und weit über 1000 Journalisten. Als sicher gilt, dass das Treffen Wirkungen auf die Koalitionsgespräche in Berlin hat: Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß um 40 Prozent niedriger liegen als 1990. Nach derzeitigem Stand schafft Deutschland aber höchstens 32 Prozent. Die Grünen dringen in den Jamaika-Gesprächen mit Union und FDP daher auf Gegenmaßnahmen: "Die Klimaziele der schwarz-gelben und der schwarz-roten Regierungen sind für uns Grundvoraussetzungen als Grüne - natürlich unverhandelbar", betonte Grünen-Chefin Simone Peter noch einmal.

Der Industrie- und Handelskammertag DIHK verwies darauf, dass Deutschland bei den CO2-Einsparpotenzialen schon viel ausgereizt habe, während es in anderen Ländern noch große Möglichkeiten gebe. Wichtig sei, dass die Konferenz Standards zum Vergleich der Leistungen der Länder festlege. Der Umweltverband BUND sprach mit Blick auf die Sondierungsverhandlungen über ein Jamaika-Bündnis von unwürdigem Geschacher um die Klimaziele. Der Kohleausstieg müsse nun kommen. Wirtschaftsministerin Zypries sagte, Ökologie und Ökonomie müssten für die Energiewende zusammengehen: "Nur wenn wir unter Beweis stellen, dass anspruchsvolle Klimapolitik nicht bedeutet, dass Arbeitsplätze und wirtschaftlicher Erfolg leiden, werden uns andere Länder folgen." 

Quelle: n-tv.de

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