Politik

"NPD im Schafspelz" Henkel tritt aus AfD aus

Dem früheren BDI-Präsidenten Henkel reicht es. Nach dem Rechtsruck in der AfD-Spitze verlässt er zornig die Partei. Diese habe sich für "Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen entschieden".

Nach dem Sieg des rechten AfD-Flügels beim Parteitag in Essen verlässt der frühere Industriepräsident Hans-Olaf Henkel die Partei. Henkel bestätigte dem ZDF seinen Parteiaustritt, wie der Sender meldete.

Zugleich übte Henkel scharfe Kritik an der neuen Parteiführung. Es drohe eine "NPD im Schafspelz", sagte er dem ZDF mit Verweis auf die rechtsextreme Partei. Mit der Wahl von Frauke Petry zur alleinigen Parteisprecherin habe sich die Mehrheit auf dem Parteitag "nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen entschieden".

Petry hatte sich am Samstag im Machtkampf mit Parteigründer Bernd Lucke durchgesetzt und war mit 60 Prozent der Stimmen gewählt worden. Luckes Anhänger wollen in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt entscheiden.

Die Europaparlamentarierin Ulrike Trebesius sagte, man werde die Mitglieder des Vereins "Weckruf 2015" in den nächsten Tagen fragen, "ob wir gemeinsam austreten sollen aus der AfD". Weitere Alternativen wären die Gründung einer neuen, eigenen Partei "oder wir gehen in der AfD in den Winterschlaf". Mehrere AfD-Mitglieder kündigten kurz nach Petrys Wahl bereits ihren Rücktritt aus der 2013 gegründeten Partei an.

Ausländerfeindliche Parolen

Petry bemühte sich am Sonntagabend in ihrer Schlussrede vor den noch verbliebenen Teilnehmern des Parteitages in Essen, den teilweise ausländerfeindlichen Äußerungen von einigen ihrer Anhänger die Spitze zu nehmen. Sie sagte: "Lassen Sie uns sachlich bleiben bei der Steuer- und Einwanderungspolitik."

Trebesius, die Vorsitzende des im Mai gegründeten "Weckruf"-Vereins ist, kommentierte diese beschwichtigenden Worte mit dem Satz: "Wer sich mit den Rechten ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er mit ihnen aufwacht."

Henkel war bereits im April wegen des Richtungsstreits in der AfD als Parteivize zurückgetreten. Er zählt zum Lucke-Lager. Der 75-Jährige war von 1995 bis 2000 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Bernd Kölmel erwägt einen Parteiaustritt. Darüber entscheide er am Montag, sagte er. "Die Mischung dieses Bundesvorstands macht mich nicht gerade glücklich." Er müsse sich fragen: "Ist diese Partei weiter meine Partei?" Kölmel hatte den Kurs Luckes und eine Abgrenzung vom rechten Rand unterstützt.

Dem neuen Parteivorstand gehören neben Petry und ihrem Stellvertreter Jörg Meuthen auch der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland, die Europaparlamentarierin Beatrix von Storch und Albrecht Glaser aus dem Führungstrio der AfD in Hessen an.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP/dpa

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