Politik

Neuinfektionen schnellen hoch Her mit der Corona-Ampel!

In Deutschland herrscht das Corona-Chaos - vor allem, weil jedes Bundesland eigene Regeln und Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf den Weg gebracht hat. Abhilfe schaffen könnte ein Ampelsystem, doch es droht an zu großen Egos in Politik und Wissenschaft zu scheitern.

20.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland an einem Tag? Dieser Wert wird in den nächsten Wochen kommen, da sind sich die führenden Virologen in Deutschland einig. Ist dieser Wert erstmal erreicht, wird eine Kontaktnachverfolgung über die Gesundheitsämter in Städten und Gemeinden kaum noch möglich sein. Es droht die völlige Überlastung. Es ist daher dringend nötig, das Infektionsgeschehen differenzierter zu betrachten: Wie viele wirklich schwere Verläufe gibt es?

In den letzten Monaten hat sich die Zahl derer, die eine stationäre oder intensivmedizinische Behandlung brauchen, gegenüber der Anzahl der infizierten Personen entkoppelt. Dennoch findet derzeit keine Unterscheidung statt, ob sich beispielsweise 100 Jugendliche, ohne nennenswerte Symptome, infiziert haben (und damit den Grenzwert von 50 Infizierten auf 100.000 Einwohner überschreiten) oder sich 35 Personen infiziert haben, die alle intensivmedizinisch betreut werden müssen (der Grenzwert von 50 infizierten Personen auf 100.000 Einwohner aber nicht erreicht wird). Das ergibt keinen Sinn.

Der Bonner Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck schlägt deshalb ein Ampel-System vor, das mehrere Faktoren miteinander in ein Verhältnis bringt: die Infektionszahlen, die Anzahl der Tests, die stationäre sowie die Intensivmedizinische Belegung. Alle Faktoren gemeinsam betrachtet ergeben ein klares Bild, ob zuvor definierte Schwellenwerte überschritten wurden, und ob dementsprechend härtere Maßnahmen, wie z.B. ein regionaler Lockdown, durchgesetzt werden müssen.

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Das Ampel-System ist auf ganz Deutschland anwendbar und lässt dennoch die Möglichkeit für eine differenzierte regionale Betrachtung. Ein Ampel-System ist auch für die Bevölkerung viel verständlicher, als immer neue Regeln und Maßnahmen. Doch Deutschland befindet sich nicht nur in einer Pandemie, sondern auch schon im Vor-Wahlkampf. Und die Entscheidung, wer im Corona-Management den Ton angibt, könnte darüber entscheiden, wer der nächste Kanzler wird.

Streeck ist im Expertenrat von NRW, welcher Armin Laschet berät. Dessen ärgster Widersacher um die Kanzlerschaft kommt aus Bayern. Markus Söder wiederum ist seit Wochen um Einigkeit mit der Kanzlerin bemüht, welche sich vom Berliner Virologen Christian Drosten beraten lässt. Der Machtkampf um die Deutungshoheit der Infektionszahlen hat sich inzwischen ebenso von der Notwendigkeit eines verständlichen Umgangs entkoppelt, wie die reinen Infektionszahlen von den tatsächlich schweren Verläufen von Corona-infizierten Patienten.

Quelle: ntv.de