Politik

Lieber freiwillig wiederholen Hessen setzt das Sitzenbleiben aus

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Auch in Hessen ruht der Schulbetrieb noch. Wenn es weiter geht, sollen die Schüler des Landes sich zumindest um ihre Versetzung keine Sorgen machen müssen.

(Foto: imago images/Eibner)

Hessen startet gemeinsam mit vier anderen Bundesländern bereits ab dem 27. April das Schulhalbjahr neu - mit großen Einschränkungen. Die meisten Schüler müssen vorerst weiter zuhause bleiben. Dafür sollen sie nicht bestraft werden, beschließt das Kultusministerium des Landes.

Schülerinnen und Schüler in Hessen müssen während der Corona-Krise nicht um ihre Versetzung in das nächste Schuljahr bangen. "Da die Leistungsbewertung in diesem Schulhalbjahr nur eingeschränkt möglich sein wird, soll in der Regel eine Versetzung erfolgen", teilte das Kultusministerium mit. In Fällen, bei denen schon vor Schließung der Schulen wegen des Coronavirus die schulischen Leistungen womöglich nicht für eine Versetzung gereicht hätte, soll das Gespräch mit Schülern und Eltern gesucht werden, um auf die Möglichkeit der freiwilligen Wiederholung des Schuljahres hinzuweisen, hieß es weiter.

An Hessens Schulen wird vom 27. April an schrittweise wieder der Unterricht aufgenommen, beginnend zunächst mit den Abschlussjahrgängen und den vierten Klassen an Grundschulen. Man wolle "grundsätzlich allen Schulformen und Jahrgangsstufen in diesem Schuljahr noch einmal den Unterricht vor Ort ermöglichen", schrieb Hessens Kultusminister Alexander Lorz auf der Seite seines Ministeriums.

Dafür setzt das Land auf verkleinerte Gruppen bis zu 15 Schüler pro Raum und einen eingedampften Stundenplan mit einem Umfang von mindestens 20 Wochenstunden. Im Rahmen der vorhandenen Personal- und Raumkapazitäten könnten "zudem sogenannte Präsenztage in jeder Woche vorgesehen werden, an denen Unterricht erfolgt und zusätzliche Arbeitsaufträge für andere Tage, die die Schülerinnen und Schüler nicht in der Schule verbringen, verteilt werden".

"Schülergruppen werden abgehängt"

Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte vorher einen "Corona-Bonus" bei den Schulnoten in diesem Schuljahr vorgeschlagen. Für den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kam diese Initiative zu früh: "Jetzt sollen mal die Prüfungen geschrieben werden", sagte er. "Wenn sich tatsächlich herausstellt, dass da eine besondere Situation war, die zu schlechteren Ergebnissen geführt hat, dann muss man sich wirklich diese Geschichte anschauen."

Sorge bereiten Meidinger dagegen weniger die Abschlussklassen als eine andere Schülergruppe: "Diese stufenweise Öffnung heißt ja eigentlich auch, dass manche Schüler vielleicht in diesem Schuljahr überhaupt nicht mehr zurückkehren in die Schule, bestimmte Klassenstufen, oder sehr spät", sagte er dem Deutschlandfunk. "Je länger die Schule zu ist, trotz aller Erfolge des Home Schoolings und der digitalen Möglichkeiten, es werden Schülergruppen abgehängt - genau die, die keine elterliche Unterstützung haben, schlecht Deutsch sprechen, Sprachförderung brauchen, speziellen Förderbedarf haben, Inklusionskinder und so weiter."

Man müsse sich sehr gute Konzepte überlegen, um diese Lücken zu schließen, denn - so ist sich Meidinger sicher: "Die große Mehrzahl der Schüler wird noch lange darauf warten müssen, wieder in die Schule zu gehen."

Quelle: ntv.de, ter/dpa