Politik

Vorfall bei Corona-Demo Hildmann droht jüdischen Journalisten

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Hildmann bei einer Corona-Demo Ende Mai.

(Foto: picture alliance/dpa)

Verschwörungstheoretiker und Kochbuchautor Attila Hildmann droht am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen einem jüdischen Presseteam. Die Polizei verteidigt die Pressefreiheit nur halbherzig.

Bei einer Demonstration von Gegnern der Corona-Maßnahmen vor dem Eingang zum Messegelände unterm Funkturm kommt es zu einer Auseinandersetzung zwischen Attila Hildmann und Journalisten des Jüdischen Forums. Der Vegan-Koch und Verschwörungstheoretiker droht dabei dem Team verbal, einer seiner Anhänger schlägt nach der Kamera eines Journalisten. Zwei Polizeibeamte beobachten das Geschehen, greifen aber auch auf Bitten des Presseteams nicht ein, als diese von Demonstrationsteilnehmern bedrängt werden.

In einem Video des Jüdischen Forums ist zu hören, wie Hildmann die Journalisten als Faschisten beschimpft und dann sagt, man werde ihre Namen finden "und dann gucken wir mal weiter". Zwei Polizisten lassen Hildmann gewähren, beschwichtigen das Presseteam, statt es vor den Attacken zu schützen. Journalist Tobias Huch stellt Strafanzeige wegen Nötigung und Bedrohung. Er weist außerdem darauf hin, dass die Polizei verpflichtet gewesen wäre, Hildmann zu stoppen und notfalls festzunehmen.

Die Polizei Berlin äußert sich einsichtig in einem Kommentar zum Twitter-Post des Jüdischen Forums. Man habe die Pflicht, Versammlungen ungeachtet ihres Themas und die Pressefreiheit zu schützen, schreibt sie. "Provokantes oder aggressives Verhalten aus Versammlungen heraus wird immer auch strafrechtlich bewertet. Wir lassen den Fall mit in die Vorbereitung künftiger Einsätze einfließen."

Staatsschutz prüft

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Der brandenburgische Staatsschutz prüft bereits seit Mai Aussagen Hildmanns. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, fällt Hildmann in den sozialen Netzwerken immer wieder mit antisemitischen Äußerungen auf. Demnach schrieb er im Messengerdienst Telegram, "Zionisten" seien ein "Judenstamm", der versuche, "die deutsche Rasse auszulöschen". Im Vergleich zu Angela Merkel sei Hitler "ein Segen" gewesen. Zudem postet der Vegan-Koch regelmäßig Umfragen, in denen er seine 60.000 Abonnenten beispielsweise fragt, ob es eine "jüdische Weltverschwörung" gebe oder wer den Holocaust "finanziert" habe.

In der Vergangenheit trat Hildmann auch auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Erscheinung. Dabei griff er in seinen Reden Gesundheitsminister Jens Spahn und Microsoft-Gründer Bill Gates an und warnte vor einer "Impflobby". Wirtschaftlich hatten die Äußerungen bereits Konsequenzen für Hildmann. Zahlreiche Supermärkte haben seine Produkte aus dem Sortiment genommen. Der Becker Joest Volk Verlag, der mit Hildmann zusammengearbeitet hatte, sprach von "unerträglichen Äußerungen" und distanzierte sich von ihm. Man werde dem Autor "auf all unseren Auftritten keinerlei Plattform mehr" bieten. Es werde geprüft, ob Verträge gekündigt werden könnten.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa