Politik

"Sorge vor Racheakten" Hintermänner der Strache-Falle schweigen

Ex-Vizekanzler Strache und sein Adlatus Gudenus auf Ibiza.

Ex-Vizekanzler Strache und sein Adlatus Gudenus auf Ibiza.

(Foto: Screenshot Spiegel/SZ)

Die Suche nach den Hintermännern der Ibiza-Falle läuft weiter. Ein Münchner Detektei-Geschäftsführer will aus Sorge vor Racheakten von Politfanatikern nicht reden. Aktivisten des Zentrums für Politische Schönheit bestätigen hingegen, dass ihnen das Video-Material zugespielt wurde.

Die Wahrheit zur Entstehung und Veröffentlichung des Ibiza-Videos mit dem österreichischen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache als Hauptdarsteller kommt nur stückweise ans Licht: Ein Aktivist vom Zentrum für Politische Schönheit verriet dem ZDF-Magazin "Frontal 21" , das Künstlernetzwerk habe das Video erworben, aber nicht beauftragt. Geld sei nicht geflossen, hieß es auf zdf.de. "Frontal 21" berief sich auf einen der beteiligten Aktivisten.

Wenige Tage bevor der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" den Skandal um Strache und seinen Adlatus Johann Gudenus ins Rollen brachten, habe das Zentrum für Politische Schönheit von der geplanten Veröffentlichung erfahren. Gleichlautend berichtete auch die "Bild"-Zeitung, das Künstlernetzwerk habe kein Geld für das Video bezahlt, es sei ihm lediglich vorab zugespielt worden.

Die "Welt am Sonntag" legt derweil neue Details über die mutmaßlichen Produzenten des Ibiza-Videos vor. Demnach hat der Wiener Anwalt, der bereits zugegeben hatte, die Falle für die beiden FPÖ-Politiker eingefädelt zu haben, schon einmal im Jahr 2015 politisch belastendes Material über Strache angeboten. Dabei ging es um Fotos und Chatverläufe. Unklar ist weiterhin, wer der Auftraggeber und Finanzier der Videofalle auf Ibiza war.

Mutmaßlicher Drahtzieher: In Sorge vor Rache von Fanatikern

Österreichische Medien hatten als Urheber des Videos neben dem Wiener Anwalt auch den Detektei-Geschäftsführer Julian H. mit Geschäftsadresse in München ausgemacht. Laut "Frontal 21" habe der über einen Berliner Medienanwalt mitteilen lassen, er sei zu keiner Stellungnahme bereit. Die Kanzlei berufe sich auf einen Beschluss des Landgerichts Berlin. Danach seien identifizierende Berichte über Julian H. verboten, unter anderem weil Julian H. vor der Rache von "Politfanatikern" geschützt werden müsse.

Zugeknöpft zeigte sich auch Jan Böhmermann, der ebenfalls zum Kreis derer gehören könnte, denen das Video vorab angeboten wurde. Am Abend der Europawahl verweigerte der Satiriker und Moderator Einblicke in sein Hintergrundwissen. "Das wird wahrscheinlich nie geklärt werden", sagte Böhmermann in Weimar auf die Frage eines MDR-Journalisten.

Das im Sommer 2017 auf Ibiza heimlich aufgenommene Video zeigt, wie der Rechtspopulist Strache mit einer vermeintlichen russischen Investorin über eine Zusammenarbeit redet. Dabei geht es auch um mögliche Staatsaufträge im Gegenzug für verdeckte Wahlhilfe zugunsten der rechten FPÖ und um strategische Einflussnahme auf Medien. Auf die Veröffentlichung der Videoausschnitte durch "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" folgten der Rücktritt Straches von allen politischen Ämtern und das Ende der ÖVP-FPÖ-Koalition.

Quelle: n-tv.de, mau

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