"Billige Beschimpfungen"Hisbollah-Miliz reagiert erbost auf "Angry Birds"-Karikatur

Der Hisbollah-Chef in überdimensionaler Vogelgestalt bei einer Ansprache an seine Kämpfer: Ein libanesischer Sender veröffentlicht eine Karikatur mit Naim Kassem als Figur aus einem Videospiel. Die Reaktion von Anhängern der Miliz folgt prompt.
Im Libanon führt ein vom libanesischen Fernsehsender LBCI veröffentlichtes Video zu Aufruhr, in dem Anführer und Kämpfer der proiranischen Hisbollah als Figuren aus dem Videospiel "Angry Birds" dargestellt wurden. Die schiitische Miliz reagierte am Samstag erbost auf die Karikatur und bezeichnete sie als "beleidigend". Hisbollah-Anhänger posteten als Reaktion zahlreiche Beleidigungen gegen den christlichen Patriarchen im Libanon. Regierungschef Nawaf Salam warnte vor einer "Atmosphäre verheerender Konflikte".
Das Video war am Freitag im Sender LBCI veröffentlicht worden. Hisbollah-Chef Naim Kassem ist darin in überdimensionaler Vogelgestalt bei einer Ansprache an seine Hisbollah-Kämpfer zu sehen - die ebenfalls als Vögel aus dem beliebten Videospiel dargestellt werden, während sie gegen die als grüne Schweinchen dargestellte israelische Luftwaffe kämpfen. "Angry Birds" ist eines der erfolgreichsten Spiele überhaupt. Dabei muss der Nutzer zornige Vögel auf grüne Schweine schleudern.
In Onlinenetzwerken prangerten Hisbollah-Anhänger die ihrer Ansicht nach unverhohlene Verhöhnung Kassems, eines schiitischen Geistlichen, an. Einige von ihnen fluteten daraufhin Onlinedienste mit Bildern, die den Patriarchen der maronitischen Kirche, Kardinal Beschara Rai, beleidigten - die höchste christliche Autorität im Libanon. Die Hisbollah erklärte in einer Stellungnahme, das Video im "Angry-Birds"-Stil enthalte "beleidigende und billige Beschimpfungen, die den politischen Diskurs auf ein widerliches Niveau herabwürdigen".
Der Sender LBCI war in den 80er Jahren von den Libanesischen Kräften, einer der Hisbollah kritisch gegenüberstehenden christlichen Partei, gegründet worden. Er distanzierte sich aber schon vor Jahren von der Partei und gab nun an, das Video am Samstag nach einer Vorladung durch die libanesische Justiz gelöscht zu haben.
Präsident Joseph Aoun verurteilte am Samstag "jegliche Angriffe auf die Oberhäupter christlicher und muslimischer Religionsgemeinschaften und spiritueller Persönlichkeiten im Libanon". Er rief die Bevölkerung außerdem dazu auf, "auf persönliche Beleidigungen zu verzichten". In seiner Erklärung verwies der Staatschef auf die "negativen Folgen solcher Handlungen, insbesondere in der aktuellen Lage des Landes, die breite nationale Solidarität erfordert".
Der libanesische Parlamentspräsident und Hisbollah-Verbündete Nabih Berri verurteilte "die Beleidigungs- und Angriffskampagnen gegen religiöse und nationale Symbole, unabhängig von ihrer Quelle oder den verwendeten Mitteln, ob in den Medien oder im Internet".
Ministerpräsident Nawaf Salam rief die Bürger seines Landes derweil dazu auf, "höchste Wachsamkeit walten zu lassen und Hassreden zurückzuweisen". Es müsse verhindert werden, "dass das Land in eine Atmosphäre verheerender Konflikte gerät".
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die von Teheran finanzierte und im Libanon seit Jahrzehnten einflussreiche Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Seit dem 17. April gilt eine von US-Präsident Trump verkündete Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Israel und die Hisbollah setzten ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel Israels Vernichtung ist, lehnt sowohl die Waffenruhe als auch direkte Gespräche Beiruts mit Israel ab.