Politik

"Für viele eine Identifikationsfigur" Hochrangige Gäste würdigen Westerwelle

Zahlreiche prominente Gäste nehmen Abschied vom ehemaligen Außenminister Westerwelle. Er sei selbstbewusst, vielleicht auch selbstsicher, jedoch auch ein Suchender gewesen, sagt Prälat Jüsten. Auch die Kanzlerin ist bewegt.

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Angela Merkel auf dem Weg zur Trauerfeier für Guido Westerwelle.

(Foto: dpa)

In einer bewegenden Trauerfeier haben Angehörige, Freunde und Spitzenpolitiker Abschied vom früheren Außenminister Guido Westerwelle genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte in einer sehr persönlichen Trauerrede bei einem ökumenischen Gottesdienst in Köln auch ihre eigene Betroffenheit über den Tod des langjährigen FDP-Vorsitzenden zum Ausdruck. Der an Leukämie erkrankte Westerwelle war im Alter von nur 54 Jahren gestorben.

Im Altarraum stand ein brauner Holzsarg, ein großes Porträtfoto zeigte einen lächelnden Westerwelle. "Er war für viele eine Identifikationsfigur - und für manche genau das Gegenteil", sagte Prälat Karl Jüsten, der Westerwelle von klein auf kannte, in seiner Predigt. Er sei selbstbewusst, vielleicht auch selbstsicher, jedoch auch ein Suchender gewesen: "Er suchte Anerkennung, Liebe und Geborgenheit." Diese habe er vor allem bei seinem Mann Michael Mronz gefunden.

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Außenminister Steinmeier und Bundespräsident Gauck kondolieren dem Mann von Guido Westerwelle, Michael Mronz.

(Foto: dpa)

An der Trauerfeier in der Basilika Sankt Aposteln nahmen neben Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten auch Bundespräsident Joachim Gauck und weitere Spitzenpolitiker teil. Der am 18. März verstorbene Westerwelle sollte im Anschluss auf dem Kölner Melatenfriedhof beigesetzt werden.

"Du wirst mir sehr fehlen"

"Diese Rede gehört definitiv nicht zu den Ansprachen, die ich jemals halten wollte", begann Merkel ihre Trauerrede. Die Todesnachricht habe sie "vollkommen unvermittelt" getroffen. "Ich habe nicht glauben können und glauben wollen", dass es Westerwelle nicht vergönnt sein sollte, sein zweites Leben leben zu dürfen. Wie andere Redner auch wandte sie sich immer wieder direkt an Westerwelles Mann Michael Mronz, mit dem er seit 2010 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt hatte.

Die Kanzlerin bezeichnete Westerwelle als "durch und durch leidenschaftlichen Liberalen". Deutschland habe einen "besonderen Menschen und Politiker" verloren. "Ich persönlich werde Dich als Mensch und Vertrauten vermissen", sagte sie. "Wir konnten uns immer aufeinander verlassen." Westerwelle sei "streitbar, empfindsam, nachdenklich, verlässlich, treu" gewesen. "Du wirst sehr fehlen", schloss die Kanzlerin ihre Rede.

Die Lesung im Gottesdienst trug die Schauspielerin Veronica Ferres vor. Die Sängerin Vicky Leandros sang ein im Text leicht verändertes Lied, das sie bereits zu Westerwelles 50. Geburtstag vorgetragen hatte. "Wir wissen, Du liebst das Leben", sang Leandros darin.

Westerwelle war von 2001 bis 2011 FDP-Chef und von 2009 bis 2013 Bundesaußenminister gewesen. Im Juni 2014 kam er wegen akuter Leukämie in stationäre Behandlung. Ein Jahr nach der Diagnose zeigte er sich noch zuversichtlich, wieder zu genesen. So sprach er im November 2015 auch in Fernsehauftritten über seine Krankheit und stellte sein Buch "Zwischen zwei Leben" vor. Seit Ende November befand sich Westerwelle jedoch wieder im Krankenhaus.

Quelle: ntv.de, ghö/hul/dpa/AFP