Politik

Kamala Harris Hoffnungsträgerin mit einem Manko

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Kamala Harris vertritt seit Januar 2017 Kalifornien im US-Senat.

(Foto: AP)

Obwohl sie noch nicht lange in der Politik ist, wird Kamala Harris in den USA als mögliche Präsidentschaftskandidatin gehandelt. Eines dürfte ihr allerdings fehlen, wenn sie 2020 antreten will: Rückhalt bei einem bestimmten Teil der Wählerschaft.

Seit der Niederlage von Hillary Clinton am 8. November 2016 befindet sich die demokratische Partei in den USA in einem Selbstfindungsprozess. Eine, die seither als Hoffnungsträgerin gilt, ist Kamala Harris. Am Tag der großen Niederlage schaffte sie in ihrem Heimat-Bundesstaat Kalifornien den Sprung in den US-Senat.

Obwohl sie in Washington ein Neuling ist, hat die 53-jährige Senatorin sich rasch einen Namen gemacht und ist sogar als potenzielle Präsidentschaftskandidatin im Gespräch. Durch die Senatsanhörungen im vergangenen Sommer, bei denen es um die möglichen Kontakte zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und der russischen Regierung ging, wurde sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Sie überzeugte dabei vor allem durch die Art und Weise, wie sie auf die Beantwortung ihrer Fragen drängte. Als US-Justizminister Jeff Session vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagte, nahm sie ihn geradezu ins Kreuzverhör. Sessions wich aus, sie hakte nach - so lange, bis der Justizminister sagte, Harris mache ihn nervös. Letztlich halfen ihm seine Parteifreunde aus der Klemme. Der Vorsitzende des Ausschusses, Senator Richard Burr, wies Harris an, den Zeugen ausreden zu lassen.

Die Anhörungen waren nicht das erste Mal, dass der Name Kamala Harris in den Schlagzeilen zu finden war. Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte dafür bereits im Jahr 2013 gesorgt. Während einer Veranstaltung bezeichnete Obama die damalige Generalstaatsanwältin von Kalifornien nicht nur als "talentiert", "engagiert" und "hartnäckig", sondern auch als die "schönste Generalstaatsanwältin im ganzen Land". Der Präsident entschuldigte sich später für seine Aussage.

Harris selbst lässt sich nur schwer einer Kategorie zuordnen. Ihre Mutter hatte indische Wurzeln, ihr Vater kommt aus Jamaika. Nach ihrem Studium an der Howard University in der US-Hauptstadt kehrte sie nach Kalifornien zurück. Dort legte sie eine steile Karriere als Juristin hin. "Wenn sie spricht, wird ihr zugehört", sagte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown in einem Interview über Harris. "Sie kommt zum Punkt".

"Sie hat der weißen Arbeiterschicht nicht viel zu bieten"

Für Harris ist das politische Minenfeld von Washington komplettes Neuland. Vor ihrem Wahlsieg am 8. November 2016 war sie in den Gerichtssälen des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats zuhause. Von 2004 bis 2011 arbeitete sie als Bezirksstaatsanwältin für San Francisco. Danach gewann sie die Wahl zur Generalstaatsanwältin und Justizministerin des Westküstenstaats. Diese Position bekleidete sie bis zu ihrem Senatseinzug.

Trotz einiger bekannter Rechtsfälle, wie der 25-Milliarden-Dollar-Einigung mit Wells Fargo und anderen Finanzinstituten in Folge der US-Hypothekenkrise, blieb Harris innerhalb wie auch außerhalb Kaliforniens weitgehend unbekannt. "Zu denken, dass die Menschen in Kalifornien den Namen Kamala Harris mit einem politischen Thema assoziieren, wäre ziemlich optimistisch", sagt der Politologe Tom Hogen-Esch n-tv.de.

Der Grund dafür ist laut Hogen-Esch schwer zu erklären. Aufgrund ihrer Einstellung zu Bürgerrechten, staatlicher Regulierung, Waffengesetzen und Einwanderung darf man sie sicherlich zum linken Flügel der demokratischen Partei zählen. Was ihr jedoch fehlt, ist ein Bezug zu der Wählergruppe, die einen maßgeblichen Anteil an Trumps Wahlsieg hatte. "Ihre bisherige Zeit im Senat hat sie damit verbracht, Donald Trump zu widersprechen", so Hogen-Esch über Harris. "Ich denke daher, dass sie der weißen Arbeiterschicht nicht viel zu bieten hat, oder dass diese gar nicht weiß, wer Kamala Harris ist."

Harris selbst hat sich zu einer potentiellen Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2020 noch nicht geäußert. Hogen-Esch, der an der California State University Northridge lehrt, glaubt, dass Harris ethnischer Hintergrund ein Problem darstellen könnte. In einer Gesellschaft, die weiterhin mit Rassismus und Sexismus ringe, wäre eine Normierung von Harris ein Risiko für die Demokraten. "Sie könnte dieselben negativen Reaktionen auslösen, mit denen auch Barack Obama und Hillary Clinton zu kämpfen hatten", sagt der Politologe.

Für die Linken nicht links genug

Um eine reelle Chance zu haben, müsste Harris ihren "Appeal", ihre Anziehungskraft, über den linken Flügel der Partei hinaus erweitern. Das könnte schwierig werden. Einen Tag nach Trumps Amtseinweihung machte Harris klar, wie sie sich die politische Auseinandersetzung vorstellt. "Kämpft weiter, egal was passiert", rief Harris den Teilnehmerinnen des Women's March zu. Bei überzeugten Demokraten kommt das gut an. Aber mit einer solchen Rhetorik läuft Harris Gefahr, andere Wähler zu verprellen.

Ihr Ruf, eine Linke zu sein, wird auch von Politologe Robert Shapiro als Schwachstelle gesehen. "Es limitiert ihre Anziehung für weiße, weniger gut ausgebildete Wähler, von denen manche behaupten, dass die Partei genau diese für sich gewinnen muss", sagt er n-tv.de. Ironischerweise stehen Teile des linken Flügels der Demokraten - die Anhängerschaft von Bernie Sanders - Harris skeptisch gegenüber.

Der äußerst linke Flügel der demokratischen Partei - die Anhängerschaft von Senatskollege Bernie Sanders - steht Harris bereits jetzt skeptisch gegenüber. Dem Magazin "Mother Jones" zufolge wird sie von Sanders-Anhängern als "Hillary-Klon" mit unglaubwürdigen progressiven Tendenzen bezeichnet.

Für Sharpiro, der an der New Yorker Columbia University lehrt, ist Harris nur ein weiterer Name im Topf der potentiellen Kandidaten. Dazu zählen auch die Senatoren Elizabeth Warren, Sanders, Cory Booker und Kristen Gillibrand sowie der frühere Vizepräsident Joe Biden, obwohl der bereits 75 Jahre alt ist. Vielleicht wird es auch jemand ganz anderes sein. "Ich glaube, der oder die Nominierte wird jemand sein, über den wir aktuell noch nicht viel wissen - wie es bei Barack Obama und Bill Clinton der Fall war", sagt Hogen-Esch.

Quelle: n-tv.de

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