Politik

Bei Verurteilung droht Haft Hongkonger Aktivisten sind frei - vorerst

123718235.jpg

Die Bürgerrechtler Joshua Wong und Agnes Chow wurden nach ihrer Festnahme zu einem Bezirksgericht gefahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

"China wird nicht gewinnen." Im Gespräch mit n-tv zeigt sich der Hongkonger Aktivist Wong optimistisch, dass Peking die seit Monaten andauernden Proteste irgendwann respektieren wird. Doch dann erleben er und seine Mitstreiter einen Rückschlag. Nun wartet er auf seinen Prozess.

Kurz nach ihrer Festnahme sind zwei prominente Aktivisten der Protestbewegung in Hongkong wieder auf freiem Fuß. Joshua Wong und Agnes Chow seien auf Kaution freigelassen worden, teilte ihre regierungskritische Partei Demosisto mit. Den beiden Aktivisten wird vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben.

*Datenschutz

Wong muss sich zudem für die Organisation der Demonstration verantworten. Der auch international bekannte Bürgerrechtler war am Morgen auf dem Weg zu einer U-Bahn-Station festgenommen und auf eine Polizeiwache gebracht worden. Seine Mitstreiterin Chow war ebenfalls aufgegriffen worden, allerdings bei sich zu Hause. Darüber hinaus nahmen die Behörden drei weitere Aktivisten sowie einen der Demokratiebewegung nahestehenden Abgeordneten fest.

Später wurden die beiden Aktivisten dem Gericht vorgeführt und formell angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu fünf Jahre Haft. Vor Journalisten sagte Wong: "Wir werden unseren Kampf fortsetzen, wir werden nicht aufgeben." Noch vor wenigen Tagen sprach Reporterin Nadja Kriewald im exklusiven Interview für den n-tv Auslandsreport mit Wong darüber, wie wichtig es ihm sei, dass "die Regierungschefs aller Länder ein klares Signal in Richtung Xi Jinpings senden". Er machte deutlich, dass er sich von Europa und vor allem Deutschland genau das wünschen würde.

Er sagte weiter, es sei "Zeit, dass die Führung Deutschlands eine Nachricht an Präsident Xi Jinping sendet". Auch Sanktionen und Embargos kämen seiner Ansicht nach in Betracht, denn dass eine ähnliche Tragödie wie das Tian'anmen-Massaker in Hongkong geschehen könnte, müsste mit allen Mitteln verhindert werden. Trotz der sehr angespannten Lage zeigte sich der junge Mann voller Tatendrang: "China wird nicht gewinnen. […] Ich bin […] optimistisch, dass die chinesische Regierung uns respektieren wird. Ich habe keine Hoffnung für das Regime, aber ich habe Hoffnung für die Menschen."

Protest muss abgesagt werden

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die "Razzien im Morgengrauen". Die Festnahmen von Wong und Chow seien "skandalöse Angriffe auf die Meinungs- und Versammlungsfreiheit". Diese hätten ganz klar das Ziel, "Angst zu säen, so wie es in Pekings Handbüchern steht".

Die Aktionen gegen die Symbolfiguren der seit drei Monaten anhaltenden Proteste erfolgten unmittelbar vor dem fünften Jahrestag der Entscheidung Pekings, politische Reformen in Hongkong zu verbieten. Diese Entscheidung hatte 2014 die sogenannte Regenschirm-Bewegung ausgelöst. Bereits damals hatte der heute 22-jährige Wong an der Spitze der 79-tägigen Proteste gestanden.

Aus Anlass des Jahrestages hatte das Protestbündnis Civil Human Rights Front (CHRF) für Samstag zu einer Großdemonstration aufgerufen. Diese wurde aber am Donnerstag von der Polizei verboten. Die Aktivisten versuchten, das Verbot vor Gericht zu kippen, was aber nicht gelang. Der Einspruch gegen das Verbot sei abgewiesen worden, berichtete CHRF-Sprecherin Bonnie Leung. Die Organisatoren hätten deshalb "keine andere Wahl gehabt, als die Demonstration morgen abzusagen." Es werde aber mit Sicherheit andere Aktionen geben.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

Mehr zum Thema