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Kommentare, Witze, Berührungen Hunderttausende werden im Job belästigt

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geht der Studie zufolge mehrheitlich von männlichen Personen aus.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Es passiert am Arbeitsplatz, im Restaurant, im Büro oder in der Arztpraxis. Einer neuen Studie sind für viele Beschäftigte unangemessene Sprüche und Berührungen Realität. Dabei gehen die Übergriffe nicht zum größten Teil von Kollegen aus.

Rund jeder elfte Beschäftigte in Deutschland ist in den vergangenen drei Jahren im Job sexuell belästigt worden. Laut einer Befragung im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle berichteten rund 13 Prozent der Frauen und 5 Prozent der Männer, mit unangemessenen Kommentaren, Witzen, Gesten oder auch Berührungen und anderen Handlungen belästigt worden zu sein. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz falle unter das Thema Gewalt und dürfe niemals als Kavaliersdelikt verstanden werden, sagte Familienministerin Franziska Giffey. Niemand müsse solche Übergriffe hinnehmen.

"Es gibt Gesetze und Rechtsprechung, die das verbieten." Arbeitgeber seien zudem verpflichtet, für den Schutz der Beschäftigten zu sorgen, sagte die SPD-Ministerin weiter und verwies auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Vor allem Beschäftigte in Sozialberufen betroffen

Mehr als die Hälfte der Betroffenen gab an, dass die von ihnen erlebten sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz von Dritten ausgingen, zum Beispiel von Kunden, Patienten oder Klienten. Dahinter folgten Kollegen und Vorgesetzte. Am häufigsten kam es zwar zu verbalen Belästigungen wie Sprüchen. Aber fast 30 Prozent der Betroffenen gab auch an, unerwünscht berührt oder bedrängt worden zu sein.

Selten seien das Einzelfälle, hieß es von der Antidiskriminierungsstelle. Die große Mehrheit der Belästigten habe wiederholt solche Situationen erlebt. "Viele Betroffene fühlen sich verunsichert, abgewertet und in ihrer Würde verletzt und geben sich im schlimmsten Fall selbst die Schuld daran", sagte Giffey. Nach Ansicht der frauenpolitischen Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Nicole Bauer, zeigten die Ergebnisse der Studie, dass immer noch Handlungsbedarf bestehe. "Sexuelle Belästigung im Arbeitskontext ist ein Thema, besonders dort, wo Machtverhältnisse eine Rolle spielen."

Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle, forderte die Unternehmen dazu auf, "durch klare Richtlinien und Maßnahmen einzugreifen, damit sexuelle Belästigung verhindert wird - beispielsweise, indem sie feste Ansprechpersonen benennen und obligatorische Schulungen für Führungskräfte anbieten".

Mentoo ist ein Tabu-Thema

Der Untersuchung zufolge gehen die Übergriffe mehrheitlich von männlichen Personen aus. Am stärksten betroffen sind Beschäftigte in Gesundheits- und Sozialberufen. Dort komme hinzu, dass Belästigungen durch Kunden oder Patienten teilweise als Berufsrisiko angesehen, bagatellisiert und ignoriert würden, schreiben die Autoren.

Giffey wies darauf hin, dass von dem Problem auch Männer betroffen seien: "MenToo - das ist teilweise ein großes Tabu, darüber zu sprechen." Sie ermutige Frauen und Männer, sich zu wehren und diejenigen, die Grenzen überschreiten in ihre Schranken zu weisen.

Die Antidiskriminierungsstelle rät Betroffenen bei sexueller Belästigung, jeden Vorfall zu dokumentieren und sich an Personal- oder Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragte, Vorgesetzte oder Personalabteilung zu wenden. Sollte der Arbeitgeber keine wirksamen Maßnahmen ergreifen, um die betroffene Person zu schützen, könne man als «letztes Mittel» der Arbeit fern bleiben und weiterhin das volle Gehalt verlangen.

Quelle: ntv.de, fge/dpa