Video zeigt VorfallICE-Beamte erschießen Mann in Minneapolis

Anfang Januar erschießt ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde eine unbewaffnete Autofahrerin in Minneapolis. Nun fallen in der Stadt erneut Schüsse. Im Netz kursiert ein Video, das den Vorfall zeigt.
Nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau in Minneapolis wurde in der Stadt am frühen Morgen ein Mann durch Bundesbeamte erschossen. Das gab der Polizeichef der Metropole, Brian O'Hara, bekannt. Das US-Heimatschutzministerium erklärte, ein Beamter des Grenzschutzes habe "Abwehrschüsse" auf einen bewaffneten Mann abgegeben. Ein in den sozialen Medien verbreitetes Video zeigt, wie mehrere vermummte ICE-Beamte den Mann zu Boden drücken und dann mehrfach auf ihn schießen. Das Verifizierungsteam von RTL/ ntv bestätigte die Echtheit der Aufnahme.
Dem Heimatschutzministerium zufolge habe der Mann eine Pistole und zwei Magazine bei sich geführt. Demnach seien die Beamten auf der gezielten Suche nach einem illegalen Einwanderer gewesen. Dabei habe sich ein Mann mit einer "9-Millimeter-Halbautomatikpistole" genähert. Die Beamten hätten versucht, ihn zu entwaffnen, was zu einer Rangelei geführt habe. Ein Beamter habe um sein Leben gefürchtet und Schüsse abgegeben. Der Getroffene sei noch am Einsatzort für tot erklärt worden.
Polizeichef O'Hara sagte hingegen, der Mann sei wenig später in einem Krankenhaus gestorben sei. Es handele sich um einen 37-jährigen weißen Einwohner von Minneapolis, vermutlich ein US-Bürger. Der Mann habe einen Waffenschein besessen und sei ohne Vorstrafen gewesen. Grenzschutzkommandant Gregory Bovino präsentierte auf einer Pressekonferenz ein Foto einer Pistole, die dem Mann gehört haben soll. Laut dem Verifizierungsteam von RTL/ ntv handelt es sich um eine Sig Sauer 320 mit aufmontiertem Rotpunktvisier. Die Handfeuerwaffe ist in den USA weitverbreitet und auch eine der Dienstwaffen der Einwanderungsbehörde ICE.
"Ich habe gerade mit dem Weißen Haus gesprochen, nachdem es heute Morgen erneut zu einer schrecklichen Schießerei durch Bundesbeamte gekommen ist", schrieb Minnesotas demokratischer Gouverneur Tim Walz auf X. "Der Präsident muss diese Operation beenden. Er muss die Tausenden gewalttätigen, ungeschulten Beamten aus Minnesota abziehen. Sofort." Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, fragte auf einer Pressekonferenz: "Wie viele Einwohner, wie viele Amerikaner müssen noch sterben oder schwer verletzt werden, damit diese Operation beendet wird?" Er fügte hinzu: "Eine große amerikanische Stadt wird von ihrer eigenen Bundesregierung überfallen."
Erst am Freitag protestierten Tausende Menschen in Minneapolis gegen die Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump, Restaurants und Geschäfte blieben geschlossen. Neu angefacht wurde die Wut der Demonstranten durch die Festnahme des fünfjährigen Liam Conejo Ramos. Fotos des offensichtlich verängstigten Jungen mit blauer Hasenohren-Mütze, der von einem ICE-Beamten am Rucksack festgehalten wird, lösten Empörung aus.
Anfang des Monats wurde in der Stadt die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good von einem ICE-Beamten erschossen. Die US-Regierung hatte die Schüsse gerechtfertigt und erklärt, die Frau habe den Beamten angefahren. Ein Video von dem Vorfall, das ins Internet gestellt worden war, stützte diese Darstellung aber nicht. Der Schütze wurde nicht vom Dienst suspendiert. Gegen ihn wird nicht ermittelt.
In Minneapolis sind seit Wochen ICE-Mitarbeiter im Einsatz, um die von Trump angeordneten Massenabschiebungen umzusetzen. Minneapolis zählt zu den sogenannten Sanctuary Cities, die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und nur begrenzt mit den Einwanderungsbehörden der Bundesregierung zusammenarbeiten.