Politik

Libysche Truppen erobern Hafen IS-Hochburg Sirte steht vor dem Fall

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Die Regierungskämpfer kontrollieren bereits einige Stadtteile Sirtes.

(Foto: imago/Xinhua)

Der Islamische Staat droht sich im Bürgerkriegsland Libyen festzusetzen. Jetzt melden die Regierungstruppen überraschende Erfolge. Die IS-Hochburg Sirte steht vor der Rückeroberung. Der Hafen von Gaddafis Geburtstadt ist von den Islamisten befreit.

Mit einem überraschend schnellen Vormarsch auf die Küstenstadt Sirte haben libysche Regierungsstreitkräfte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Bedrängnis gebracht. Die Streitkräfte der Regierung der Nationalen Einheit übernahmen in der vergangenen Nacht nach heftigen Kämpfen die Kontrolle über den Hafen im Osten der Stadt sowie über angrenzende Stadtviertel, wie der Regierungsvertreter Reda Issa heute der Nachrichtenagentur AFP sagte.

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Sirte ist die wichtigste Basis des libyschen Ablegers der IS-Miliz. Die Dschihadisten hatten sich 2014 in der Heimatstadt des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi festgesetzt und die Stadt vor einem Jahr vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Die Extremistengruppe hatte dabei vom allgemeinen Chaos profitiert, das in Libyen seit dem Volksaufstand herrscht, der im Herbst 2011 zum Sturz und Tod Gaddafis führte.

Truppen kesseln IS-Kämpfer ein

Die Kräfte der Einheitsregierung, die vorwiegend aus Milizen aus der Küstenstadt Misrata bestehen, waren am Mittwoch mit Unterstützung von Luftwaffe und Artillerie nach Sirte vorgedrungen. Laut Issa haben die Regierungstruppen nun die Dschihadisten in einem rund fünf Quadratkilometer großen Gebiet zwischen dem Norden und dem Zentrum der Stadt eingekreist. Die Regierungstruppen flogen seit Beginn ihrer Offensive im Mai rund 150 Luftangriffe auf IS-Ziele.

Bei den Kämpfen am Freitag wurden laut Issa auf der Seite der Regierungstruppen elf Kämpfer getötet und 45 verletzt. Heute seien bei einer Gegenoffenisve des IS zwei Kämpfer der Regierungstruppen getötet worden. Die meisten Einwohner hätten die Stadt inzwischen verlassen, aber rund 30.000 seien geblieben. Der UN-Sondergesandte für Libyen, der deutsche Diplomat Martin Kobler, erklärte, er sei "beeindruckt" von den "raschen Fortschritten" der Regierungstruppen beim Zurückdrängen des IS.

Ausländische Geheimdienste schätzen die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen insgesamt auf rund 5000. Unklar ist jedoch die zahlenmäßige Stärke der IS-Einheiten in Sirte.

Quelle: ntv.de, shu/AFP