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Tödliche Schüsse im Iran IS bekennt sich zum Anschlag in Ahwas

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Ein Soldat versucht, eine Mutter mit ihren Kindern vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Terroranschlag auf eine Militärparade im Iran trifft die Islamische Republik ins Mark: Mindestens 29 Menschen verlieren im Kugelhagel ihr Leben. Der IS beansprucht die Bluttat für sich. Die Führung in Teheran kündigt eine "konsequente Reaktion" an.

Bei einem Anschlag auf eine Militärparade der Revolutionsgarden in der iranischen Stadt Ahwas sind nach offiziellen Angaben mindestens 29 Menschen getötet worden. Die Täter eröffneten von einem Park aus mit Sturmgewehren das Feuer auf Teilnehmer und Zuschauer der Parade, wie die Nachrichtenagentur Tasnim mitteilte.

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Schüsse aus dem Hinterhalt: Hinter Bordsteinkanten und Hecken suchen Zuschauer der Militärparade Deckung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Angreifer schossen offenbar gezielt in die Menge. Unter den toten "Märtyrern" seien auch Frauen und Kinder, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Die Zahl der Toten könne weiter ansteigen, da viele der Verletzten in Lebensgefahr schwebten. Ein Sprecher der Streitkräfte erklärte, ein Mädchen sei getötet worden, ebenso wie ein Veteran im Rollstuhl. Auch ein Journalist sei dem Feuerüberfall zum Opfer gefallen, wie der Vize-Gouverneur der Provinz Chusestan, Ali-Hossein Hosseinsadeh, der halbamtlichen Nachrichtenagentur Isna sagte. Mehr als 57 Menschen wurden verletzt.

"Aus dem Ausland bezahlte Terroristen"

Irans Präsident Hassan Ruhani drohte mit einer "vernichtenden Antwort" auf die Attacke, für die seine Regierung die USA und Saudi-Arabien mitverantwortlich machte. "Diejenigen, die diesen Terroristen Informationen und Unterstützung bei der Verbreitung ihrer Propaganda gewähren, werden sich dafür verantworten müssen."

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Der IS-Terror erreicht den Iran: Teheran droht "schnelle und entschiedene" Reaktionen an.

(Foto: AP)

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte, "regionale Terror-Sponsoren und ihre US-Herren" seien für den Angriff verantwortlich. "Der Iran wird schnell und entschieden zur Verteidigung iranischer Leben antworten." Sarif drohte mit Konsequenzen. "Terroristen, die von einem ausländischen Regime rekrutiert, ausgebildet, bewaffnet und bezahlt wurden, haben Ahwas angegriffen", schrieb Sarif auf Twitter.

Ohne Saudi-Arabien beim Namen zu nennen, machte er die "Terror-Sponsoren in der Region und ihre amerikanischen Herren" für den Angriff verantwortlich und drohte mit "einer umgehenden und konsequenten Reaktion" des Irans. Die Revolutionsgarden dagegen beschuldigten Saudi-Arabien offen und direkt, die Attentäter von Ahwas finanziert zu haben.

Zuschauer im Kreuzfeuer

Iranischen Medienberichten zufolge schossen die Angreifer nach Beginn der Parade zunächst in die Reihen der Zuschauer. Anschließend hätten die Attentäter versucht, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Sicherheitskräfte hätten sie daraufhin niedergeschossen. Augenzeugen sprachen von Minuten andauernden Feuergefechten.

Zum Schicksal der vier Täter liegen widersprüchliche Angaben vor. Zunächst hieß es, zwei Angreifer seien erschossen und zwei verhaftet worden. Das Staatsfernsehen berichtete am Nachmittag, dass alle vier Attentäter getötet worden seien. Drei Täter seien vor Ort "zur Hölle geschickt" worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verwundungen erlegen, sagte Militärsprecher Abolfasl Schekartschi.

Bei den Tätern soll es sich nach Angaben der Revolutionsgarden um Mitglieder einer sunnitischen Separatistengruppe namens "Al-Ahwasieh" gehandelt haben. Die Gruppe habe die Verantwortung für den Angriff übernommen, hieß es aus Teheran. Die iranische Führung beschuldigt Saudi-Arabien, die Terrorgruppe zu unterstützen. Ihre Mitglieder sollen zudem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Treue geschworen haben.

Wenige Stunden nach der Tat bekannte sich der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amak zu dem Anschlag: IS-Kämpfer hätten "eine Versammlung iranischer Truppen" angegriffen, hieß es. Der Anschlagsort Ahwas liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Chusestan an der Grenze zum Irak. In der Region hatte es in früheren Jahren separatistische Bestrebungen gegeben. Im Iran wurde der "Tag der Streitkräfte", der in diesem Jahr mit dem 38. Jahrestages der Invasion des Irak 1980 in den Iran zusammenfällt, an vielen Orten mit Militärparaden begangen.

Elite-Streitkraft des Iran

Für die sunnitische Terrormiliz gilt der schiitisch dominierte Iran als Erzfeind. Vom Iran unterstützte Milizen sind sowohl in Syrien als auch im Irak im Einsatz, wo sie maßgeblich an den militärischen Erfolgen gegen IS-Anhänger beteiligt sind.

Der Anschlag auf eine öffentliche Veranstaltung der Revolutionsgarden, die sich als eigenständige Elite-Streitkraft innerhalb des iranischen Militärs verstehen, ist der schwerste Vorfall dieser Art in der Region seit Jahren. Es ist allerdings bei weitem nicht der erste IS-Anschlag im schiitisch dominierten Iran: Im Jahr 2017 hatten IS-Anhänger in der iranischen Hauptstadt das Parlament und das Mausoleum des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini angegriffen. Damals kamen 18 Menschen ums Leben.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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