Politik

Die jüngste Stimme im Bundestag "Ich musste lernen, ein Fax zu verschicken"

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Digitalisierung gehört zu den zentralen Themen des FDP-Politikers.

(Foto: imago/Revierfoto)

Mit 24 Jahren ist Roman Müller-Böhm der jüngste Abgeordnete im neuen Bundestag. Innerhalb von vier Wochen musste sich der FDP-Politiker aus dem Ruhrgebiet auf die Bundespolitik einstellen. n-tv.de trifft den Jurastudenten an seinem ersten Arbeitstag im Plenarsaal.

n-tv.de: Sie haben angekündigt, den Beruf des Bundestagabgeordneten transparenter zu machen. Wie soll das gelingen?

Roman Müller-Böhm: Ich erkläre den Wählern sehr viele Bereiche meiner Arbeit. Bei Facebook und Instagram kann ich ihnen zeigen, worin meine tägliche Arbeit besteht und auf welchen Terminen ich bin. So können die Leute besser verstehen, wie der Abgeordnetenalltag aussieht und der Politikapparat wird transparenter. In den sozialen Medien bekomme ich auch ein schnelles Feedback für meine Arbeit.

Wie haben Sie sich auf den Arbeitsalltag als Bundestagsabgeordneter vorbereitet?

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Roman Müller-Böhm will neben seinem Bundestagsmandat sein erstes Staatsexamen in Jura ablegen.

(Foto: imago/photothek)

Unsere Fraktion hat eine Art Bootcamp veranstaltet. Dort haben wir gelernt, was ein Abgeordneter zu tun hat, welche Aufgaben es gibt und was zu beachten ist. Viele Abläufe müssen aber noch geklärt und qualifizierte Mitarbeiter eingestellt werden. Ich musste auch erst lernen, wie man ein Fax verschickt.

Sie sind 24 Jahre alt. Können Sie sich aufgrund Ihres Alters besser für junge Themen einsetzen?

Es ist nicht vom Alter abhängig, ob man ein guter oder schlechter Politiker ist. Ich glaube aber, dass ich ein anderes Generationenverständnis habe - zum Beispiel im Bereich Digitalisierung. Ich kann gut nachvollziehen, wenn junge Menschen diesbezüglich ungeduldig sind und darauf warten, dass in Deutschland etwas passiert.

Welchen Rat haben Sie von älteren Abgeordneten bekommen?

Ich sollte nicht immer alles so furchtbar ernst nehmen. Der Berliner Politikalltag ist sehr überwältigend, aber ich versuche, meine eigene Balance zu finden. Denn auch wenn alles groß aussieht, möchte ich bei der Sache bleiben und mir selbst treu bleiben.

Wer ist ihr politisches Vorbild?

Hans-Dietrich Genscher. Er hat in seiner Zeit als Innen- und Außenminister hervorragende Leistungen erbracht - trotz der politisch schwierigen Zeiten. Er war immer ein Optimist und hatte eine sehr herzliche Ausstrahlung. Das hat mich immer angesprochen, auch wenn ich ihn nicht mehr persönlich treffen konnte.

Die FDP-Fraktion ist im Bundestag derzeit noch provisorisch untergebracht. Ist das problematisch?

Ich finde es irgendwie charmant, dass wir von einem Co-Working-Space aus arbeiten. So lernt man die Kollegen besser kennen und es bildet sich ein echtes Team. Das wird uns auf lange Sicht stärken. Momentan teile ich mir auch noch ein Büro mit einer anderen Abgeordneten.

Wie stehen Sie zu einer möglichen Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen?

Ich bin dafür sehr offen und helfe konstruktiv mit. Wir müssen aber auch aus der Wahlschlappe von 2013 (die FDP holte 4,8 Prozent, Anm. d. Red.) lernen und klar unsere Inhalte in einem möglichen Koalitionsvertrag unterbringen. Ansonsten wäre der Gang in die Opposition für die FDP der bessere Weg.

Sie haben nur wenige Sitze von der AfD-Fraktion entfernt Platz genommen. Wie stehen Sie zu der Partei?

Ich plädiere dafür, höflich zu bleiben. Es gehört zum fairen Umgang im Bundestag, mit den gewählten Vertretern anständig umzugehen. Das ständige Draufhauen auf die AfD führt zu nichts. Dadurch wird die Partei immer stärker. Das ist deren Methode: ein Reizthema ansprechen, dann die Prügel abholen und damit Wähler gewinnen. Im Bundestag bietet sich nun die Möglichkeit, die AfD inhaltlich anzugreifen.

Sie haben vorgeschlagen, die Amtszeit des Kanzlers oder der Kanzlerin zeitlich zu beschränken. Möchten Sie den Posten eines Tages vielleicht übernehmen?

Ich weiß noch nicht, ob ich mein Leben lang Politik machen möchte. Wenn ich keine hundertprozentige Leidenschaft mehr für den Beruf empfinde, dann höre ich auf. Momentan habe ich aber große Lust auf Politik und bin mit viel Elan dabei. Es ist aber auch eine große Verantwortung.

Mit Roman Müller-Böhm sprach Lisa Schwesig

Quelle: ntv.de