Politik

Zahl seit 2007 verdreifacht Immer mehr Menschen ab 60 haben einen Job

Lange hieß es, in höherem Alter noch einen Job zu finden sei schwierig. Doch neue Zahlen zeigen nun, dass immer mehr Menschen ab 60 einer Arbeit nachgehen. Es sind mittlerweile dreimal so viele wie vor zwölf Jahren.

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten auch im fortgeschrittenen Alter. So hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 60 Jahren und mehr seit dem Jahr 2007 fast verdreifacht. Dies zeigt eine Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken im Bundestag. 2007 waren rund 900.000 der Beschäftigten 60 Jahre und älter, bis 2018 waren es schon 2,6 Millionen.

In manchen Bereichen ist mehr als jeder zehnte Beschäftigte 60 oder älter. Am höchsten war der Anteil im vergangenen Jahr im Bereich "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung" - nämlich 12,3 Prozent aller Beschäftigten. Auch in den Bereichen "Erziehung und Unterricht" und Wasserversorgung und Abfallentsorgung" waren es mehr als 10 Prozent. Beamte sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Auch im europäischen Vergleich ist die Erwerbstätigenquote bei den Älteren überdurchschnittlich hoch. "Die Erwerbsneigung Älterer hat in den letzten Jahren im Vergleich zur Erwerbsneigung insgesamt überproportional stark zugenommen", stellt die BA in einer Publikation fest. Trotzdem sind Ältere weiter unterdurchschnittlich am Erwerbsleben beteiligt. In der Bevölkerung zwischen 15 und unter 65 Jahren gehen 21 Prozent laut BA keiner bezahlten Arbeit nach oder suchen nicht danach - bei den 55- bis unter 65-Jährigen sind es 26 Prozent.

Linke: Rentenalter muss adäquat sein

Die Zahl der Rentner zwischen 60 und 65 Jahren hat sich in den vergangenen zehn Jahren dagegen fast halbiert: 2008 befanden sich noch über 1,3 Millionen Menschen in dieser Gruppe. Ende 2018 bezogen dann nur noch 723.000 Personen von 60 bis unter 65 Jahren eine Rente wegen Alters, was 13 Prozent entsprach. Ein Grund ist, dass das Rentenalter seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte: "Mit der Alterung der Beschäftigten hält der demografische Wandel auch Einzug in Betriebe und Verwaltungen." Eine immer größere Rolle müsse daher auch eine altersgerechte Arbeitsgestaltung spielen. "Die Arbeitsbedingungen müssen so ausgestaltet sein, dass die Beschäftigten überhaupt bis zum Rentenalter durchhalten und auch bei guter Gesundheit in Rente gehen."

Dazu gehöre aber auch ein realistisches Renteneintrittsalter. 67 Jahre oder sogar 70 sei in vielen Branchen unrealistisch und nichts anderes als eine Rentenkürzung, wenn die Menschen mit Abschlägen vorher ausschieden. Zimmermann sagte weiter: "Die Zunahme älterer Beschäftigter zeigt einen großen Einstellungsbedarf in den kommenden Jahren auf, insbesondere in der öffentlichen Verwaltung."

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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