Politik

Perry und Cain blamieren sich Implosion der rechten Alpha-Männchen

Rick Perry hält die bizarrste Rede des bisherigen US-Wahlkampfes, Herman Cain singt mit einem Dank für göttliche Vergebung gegen Belästigungsvorwürfe an: Die beiden Lieblinge des rechten Flügels der Republikaner sind eifrig dabei, sich selbst zu demontieren. In die Vorwahlen gehen die Republikaner stark geschwächt.

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Rick Perry droht ein Internet-Witz zu werden.

(Foto: AP)

Rick Perry hatte wohl richtig Spaß in New Hampshire. Vor den Vertretern der konservativen Familienorganisation "Cornerstone" hielt der Texaner am vergangenen Freitag nicht nur eine von diesen vielen austauschbaren Wahlkampfreden. Nein, Perry brannte ein rhetorisches Feuerwerk ab: eine große Portion Freiheitspathos, serviert mit jeder Menge Gags und einem Schuss Intimität. Kurz, eine rundum gelungene Rede - zumindest dachte das Rick Perry.

Der Rest der USA reibt sich seither verwundert die Augen und rätselt: War der Mann besoffen, bekifft oder auf Medikamenten?

Perry über die Freiheit: "Gib's mir!"

Denn was der Republikaner da ablieferte, war kein souveräner Wahlkampfauftritt, es war Comedy: Mal grinst er wie die Cheshire-Katze aus "Alice im Wunderland", mal rudert er wild mit den Armen, wackelt mit dem Kopf und taucht auch mal hinter dem Rednerpult ab. Der stämmige Oberkörper schwankt hin und her und selbst sein schwerer, texanischer Akzent kann das Leiern in Perrys Stimme nicht verbergen. Die ziemlich unstrukturierte und sprunghafte Rede wird nur von Perrys wilden Gesten und seiner teilweise völlig entgleisten Mimik zusammengehalten.

"Das hier ist ein so cooler Staat", lallt Perry zu Beginn der Rede und vergleicht erst einmal die Freiheitsliebe in New Hampshire und Texas. "Wir lieben diese Slogans, Mann! Frei leben oder sterben, Sieg oder Tod ... Gib's mir!"

In den Medien, vor allem denen auf liberaler Seite, wird der Auftritt bereits mit dem "Dean-Scream" verglichen. Gemeint ist der Demokrat Howard Dean. Im Wahlkampf 2004 ließ es sich der damalige Präsidentschaftskandidat trotz Erkältung nicht nehmen, nach einer Niederlage bei den Vorwahlen zu seinen Fans zu sprechen. Die begeisterte Menge putschte ihn derart auf, dass er einen Kampfschrei ins Mikrofon brüllte - und damit fortan als "unpresidential" galt, als des Präsidentenamtes unwürdig. Auch Perry droht nun dieses Urteil, zumal er nach mehreren desaströsen TV-Debatten ohnehin als Wackelkandidat gilt.

Youtube-Star oder Lachnummer?

Ein 8-minütiges Highlight-Video von Perrys Auftritt ist inzwischen ein echter Youtube-Hit geworden, die gesamte, 25-minütige Rede hingegen schauen sich sehr viel weniger User an. Dabei erscheint Perry im Gesamtkontext der Rede sehr viel weniger wie ein Clown. Er erinnert vielmehr an einen früheren US-Präsidenten, der ebenfalls aus Texas kam und über einen sehr eigenen Witz verfügte: George W. Bush. Mit ihm gemeinsam hat Perry diesen speziellen, durchaus charmanten Studentenverbindungshumor, der erst ab einer bestimmten Promillezahl unterhaltsam wird. Bei vielen US-Amerikanern kommt das an, es gilt als "folksy", als  volksnahes Understatement. So spinnefeind sich das Bush-Lager und das Perry-Lager politisch sein mögen, so ähnlich sind sich die beiden Männer.

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Ob die Vorwürfe gegen Herman Cain stimmen, ist unklar. Klar ist, dass er sehr unbeholfen darauf reagiert hat.

(Foto: REUTERS)

Fast wäre Perrys Rede jedoch im Medienstrudel eines anderen Republikaners untergegangen. Herman Cain schlägt sich seit dem Wochenende mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung herum - und macht dabei keine gute Figur. Angeblich soll der Gründer einer Pizza-Kette als Chef des US-amerikanischen Gastronomieverbandes gegenüber zwei Mitarbeiterinnen anzüglich geworden sein. Dass es in der Sache bereits eine außergerichtliche Einigung gab, hilft Cain auch nicht weiter. Versuche des Kandidaten und seiner Wahlkampfmanager, die Vorwürfe zu entkräften, haben nur noch mehr Zweifel an Cains Version der Geschichte hinterlassen.

Cain widerspricht sich und singt für die Presse

In einem Interview scheint Cain die Vorwürfe vor laufender Kamera sogar unfreiwillig zu bestätigen. Ausgerechnet eine Reporterin des streng konservativen Senders Fox News fragte Cain, ob er jemals Entschädigungszahlungen wegen sexueller Belästigung gezahlt habe. Worauf Cain ausweichend antwortete: "Außerhalb meiner Tätigkeit beim Gastronomieverband nicht."

Eine eilig anberaumte Pressekonferenz geriet dann endgültig zur Farce, als Cain die Medienvertreter mit dem Gospel-Song "He Looked Beyond My Faults" verabschiedete. "Jesus kam und sah über meine Fehler hinweg", schnurrte Cain, offenbar ohne die Zweideutigkeit des Liedtextes zu bemerken.

Dennoch liegen sowohl Cain als auch Perry in den Umfragen vor dem skandalfreien Mitt Romney. Der wird sich nun aber die Hände reiben: Sein Image als begeisterungsarmer Politprofi könnte ihn am Ende zum einzigen wählbaren Kandidaten machen. Zwar trauen ihm viele an der Parteibasis nicht über den Weg, doch im Vergleich mit Barack Obama sieht ausgerechnet der Mormone noch am ehesten wie ein Präsident aus.

Für die Republikaner sind das alles reichlich schlechte Nachrichten. In genau zwei Monaten findet in Iowa die erste Abstimmung statt. Das Angebot auf den Stimmzetteln ist nicht verlockend: ein solider Kandidat, den keiner mag, zwei angeschlagene Stimmungskanonen mit Rechtsdrall - und der chancenlose Rest.

Quelle: n-tv.de

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