Politik

Zahl der Zwangsehen gestiegen In Deutschland leben 361 verheiratete Kinder

Mit dem Zuzug von Flüchtlingen steigt in Deutschland die Zahl der Kinderehen: Die Behörden wissen derzeit von fast 1500 verheirateten Kindern und Jugendlichen - 361 von ihnen sind keine 14 Jahre alt. Und die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Nach der Einreise Hunderttausender Flüchtlinge sind bei den deutschen Behörden inzwischen fast 1500 verheiratete Kinder und Jugendliche registriert. 361 von ihnen sind sogar jünger als 14 Jahre. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. Der Aufstellung des Innenministeriums zufolge handelt es sich bei den meisten minderjährig Verheirateten um Syrer - hier waren 664 Fälle bekannt.

Weitere Herkunftsstaaten waren Afghanistan (157 Fälle), Irak (100 Fälle), Bulgarien (65 Fälle), Polen (41 Fälle), Rumänien (33 Fälle) und Griechenland (32 Fälle). Unter den minderjährig Verheirateten waren mit 1152 Betroffenen deutlich mehr Mädchen als Jungen. Die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen. Nur 26 der registrierten Kinder und Jugendlichen haben den Angaben nach ein unbefristetes Aufenthaltsrecht, 516 halten sich lediglich befristet in Deutschland auf.

Ehen dürfen nach deutschem Recht grundsätzlich erst mit der Volljährigkeit geschlossen werden - nur in Ausnahmefällen schon mit 16 Jahren. Das Oberlandesgericht Bamberg hatte im Mai aber die Ehe einer Syrerin, die im Alter von 14 mit einem Cousin verheiratet worden war, als wirksam anerkannt. In Deutschland wird seitdem debattiert, ob solche Kinderehen im Widerspruch zu Grundrechten stehen.

Maas: Kinder vor Missbrauch schützen

"Wir müssen alles tun, um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Zwangsheirat zu schützen", hatte Bundesjustizminister Heiko Maas Anfang der Woche erklärt. Zwangsehen dürften nicht geduldet werden, "egal ob sie in Deutschland oder im Ausland geschlossen wurden". Niemand dürfe zu einer Ehe gezwungen werden, "schon gar keine minderjährigen Mädchen", betonte der Minister.

Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu Kinderehen hatte kurz zuvor ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll ihre Beratungen noch im diesem Jahr abschließen. Diskutiert werden soll, inwiefern die Vorschriften zur Ehemündigkeit im deutschen Recht geändert werden könnten. Außerdem soll die konkrete Praxis der Anerkennung von Auslandsehen mit minderjährigen Partnern thematisiert werden.

Quelle: ntv.de, jgu/dpa/AFP