Politik

Tage von Syrskyj gezählt?In der Ukraine braut sich etwas zusammen

18.07.2026, 23:10 Uhr
00:00 / 03:33
November-4-2025-Pokrovsk-Donetsk-Oblast-Ukraine-Ukrainian-President-Volodymyr-Zelenskyy-left-and-Armed-Forces-Commander-General-Oleksandr-Syrskyi-right-listen-to-a-briefing-on-the-defensive-operations-in-the-Dobropillia-sector-November-4-2025-near-Pokrovsk-Donetsk-Ukraine
Wolodymyr Selenskyj mit Armeechef Oleksandr Syrskyj (r.). (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Während die Proteste auf der Straße weiterlaufen, führt der ukrainische Präsident Selenskyj Gespräche mit Militärvertretern und dem ehemaligen Verteidigungsminister Fedorow. Letzterer äußert sich danach überraschend positiv. Weil es bald einen neuen Armeechef geben wird?

Die Ukraine könnte nach mehreren Wechseln in der Regierung vor weiteren tiefgreifenden Verändungen stehen. Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte in sozialen Netzwerken mit, dass er am Freitag und Samstag Beratungen geführt habe. "Natürlich höre ich mir an, was die Menschen zu sagen haben." Es habe Gespräche mit dem gechassten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow und den von ihm stark kritisierten Armeechef Oleksandr Syrskyj gegeben.

Die "Financial Times" schrieb, Selenskyj erwäge, Syrskyj zu entlassen, um einen Ausweg aus der großen Krise in der militärischen Führung zu finden. Seit Tagen gibt es in der Ukraine Proteste für Fedorow, der nach dem Verlust des Verteidigungsministerpostens bestätigt hatte, dass er zuvor die Entlassung des Armeechefs erwirken wollte. Fedorow warf Syrskyj "Intrigen" und "Spaltung" vor. Zudem soll er Reformen zur Mobilisierung blockiert haben.

Seit Tagen gibt es in der Ukraine Proteste für den beliebten Ex-Verteidigungsminister, der vor allem für seine Arbeit im Bereich der Drohnenkriegsführung gelobt wurde. Er war nur etwas mehr als ein halbes Jahr im Amt und stark verärgert darüber, dass er nicht weitermachen durfte. Auf X schrieb Fedorow nun, Verändungen seien unvermeidlich. "Noch nie habe ich eine so große Verantwortung gespürt - nicht einmal während meiner Zeit im Regierungsdienst." Der Dialog sei in Gang gekommen, so der 35-Jährige weiter. "Ich glaube daran, dass wir Erfolg haben werden."

Einer von Fedorows Beratern während seiner Amtzeit, Serhij Sternenko, äußerte sich in sozialen Netzwerken mit drastischen Worten über Syrskyj. Er schrieb an seine Follower gerichtet: "Gestern habe ich im Stream bei Weitem nicht alles erzählt, was ich über Syrskyjs Aktivitäten weiß. Es ist viel schlimmer, als ihr euch vorstellen könnt."

Gespräche über Nachfolger?

Die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf Angaben eines hochrangigen Regierungsbeamten, dass Selenskyj an diesem Wochenende Militärkommandeure versammle, um deren Einschätzungen zur Lage auf dem Schlachtfeld anzuhören und Kandidaten für die Übernahme des Postens des Armeechefs zu befragen. Demnach soll Selenskyj bereit sein, Syrskyj zu ersetzen, sollte sich ein fähiger Nachfolger finden.

Syrskyj ist seit Anfang 2024 Armeechef. Er übernahm damals von Walerij Saluschnyj, der seitdem Botschafter in Großbritannien ist. Syrskyj hatte einst den Spitznamen "Schlächter" verpasst bekommen, weil er sich im Stile von sowjetischen Generälen nicht um Verluste geschert haben soll. Sein Ansehen stieg jedoch mit der Zeit. Die Ukraine hat den russischen Vormarsch an der Front mittlerweile nahezu vollständig zum Erliegen gebracht.

Quelle: ntv.de, rog

Wolodymyr SelenskyjKriege und KonflikteUkraine