Politik

Janosch Dahmen im "Frühstart" "Indische Variante gefährdet Öffnungen"

Der Grünen-Gesundheitsexperte Dahmen warnt vor Rückschlägen auf der Corona-Zielgeraden. Er hält sogar eine vierte Welle noch in den nächsten Wochen für möglich. Die Maskenpflicht aber könnte im Herbst fallen.

Der Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, Janosch Dahmen, warnt vor baldigen Rückschlägen in der Corona-Bekämpfung durch die indische Virusvariante. Im Moment sei der Anteil der Variante B.1.627.2 mit rund zwei Prozent der Fälle in Deutschland noch gering. "Sollte er aber so stark ansteigen, wie das in Großbritannien und anderen Ländern der Fall ist, dann können wir uns bestimmte Öffnungsschritte, die jetzt wahrscheinlich scheinen, unter Umständen nicht leisten", sagte Dahmen im "Frühstart" bei ntv. Der Ansteckungsgrad scheine gleich hoch oder sogar höher zu sein als bei der britischen Variante B.1.1.7. "Das könnte durchaus auch bisherige Erfolge in der Pandemie wieder in Frage stellen."

Die indische Variante könnte zur vorherrschenden Corona-Variante in Deutschland werden, so Dahmen. In Ländern wie Großbritannien nehme ihr Anteil trotz Schutzmaßnahmen sehr stark zu. "Es gibt guten Grund zu glauben, es könnte passieren, dass sie die Dominanz auch über B.1.1.7 übernimmt." Derzeit sei die Datenlage noch nicht sicher, in Großbritannien aber verdoppele sich der Anteil der indischen Variante an den Infektionen wöchentlich. Beispielswiese in der Hauptstadt London ist der Anteil von B.1.627.2 innerhalb eines Monats von null auf 25 Prozent gestiegen.

Der Grünen-Politiker forderte, bei Großbritannien neu zu bewerten, ob es als Risiko- oder Virusvariantengebieten eingestuft wird. Die indische Variante werde dort nicht mehr nur bei Reiserückkehrern, sondern auch in der Allgemeinbevölkerung festgestellt. Im Moment gelten für Einreisende aus Großbritannien keinerlei Quarantänepflichten. Deutschland müsse aufgrund der Virus-Varianten bei den Quarantäne-Regeln für Reisende generell wieder vorsichtiger werden.

"Vierte Welle ist absolut möglich"

Eine vierte Corona-Welle in Deutschland hält Dahmen noch vor dem Sommer für möglich. "Garantien zu geben, dass wir alle sicher sind und diese Pandemie vorbei ist, dafür ist es viel zu früh." 52 Millionen Bürger hätten noch keine Impfungen bekommen, gleichzeitig seien die Inzidenzen weiter hoch. Hinzu käme die Gefahr der Mutationen, die möglicherweise den Impfschutz teils oder ganz überwinden könnten. "Wenn wir nicht vorsichtig sind und nicht in geordneten kleinen Schritten gehen, ist es absolut möglich, dass wir noch mal einen Rückschlag erleiden, der sogar zu einer vierten Welle führen könnte."

Eine kurzfristige Aufhebung der Maskenpflicht für vollständig Geimpfte, wie in den USA, lehnte Dahmen ab. Masken tragen sei sehr wirkungsvoll und greife dennoch, verglichen zum Beispiel mit Ausgangssperren, weniger stark in das Leben der Bürger ein. Dahmen erwartet ein Ende der Maskenpflicht nach dem Sommer. "Wenn wir eine Impfquote von 60 bis 80 Prozent in der Bevölkerung erreicht haben, dann werden wir insgesamt die Schutzmaßnahmen - auch die AHA-Regeln - Stück für Stück weiter reduzieren und irgendwann aufheben." Sicher sei das allerdings nur, wenn es keine neuen Virusmutationen mit sogenannter "Immunflucht" gebe, der Impffortschritt anhaltend hoch bleibe und die Inzidenzen weiter deutlich runter gingen.

US-Präsident Joe Biden habe die Maskenpflicht für Geimpfte aufgehoben, weil sein Land ein großes Problem mit der Impf-Akzeptanz habe, so Dahmen. Es gehe um neue Anreize. "Die Maskenpflicht in den USA ist noch unbeliebter, als sie es bei uns ist. Und vor dem Hintergrund versucht man die Menschen dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen." Er halte das für sehr gefährlich, so Dahmen. Bei vielen Kontakten von Geimpften ohne Masken mit Ungeimpften steige das Risiko von Virusmutationen.

Quelle: ntv.de, psc

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