Politik

Kosten von 30 Milliarden Euro Indonesien plant neue Hauptstadt auf Borneo

123579526.jpg

Die derzeitige Hauptstadt Jakarta droht zu versinken: 40 Prozent ihrer Fläche befindet sich inzwischen unter dem Meeresspiegel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Staus und Erdbeben plagen die indonesische Mega-Stadt Jakarta. Außerdem droht sie im Meer zu versinken. Jetzt will die Regierung eine völlig neue Hauptstadt aus dem Boden stampfen - im Osten der Insel Borneo. Dieses Projekt wird extrem teuer, doch die Regierung hat dafür einen Plan.

Indonesien will in einem Waldgebiet auf der Insel Borneo eine neue Hauptstadt aus dem Boden stampfen. Der Präsident des weltgrößten Inselstaats, Joko Widodo, kündigte an, dass die neue Metropole in der Nähe der Stadt Balikpapan im Osten von Borneo entstehen soll. Bislang besteht das dortige Gelände aus dichtem Wald und einigen gerodeten Flächen.

*Datenschutz

Damit nehmen die Pläne, über die schon länger spekuliert wird, langsam Gestalt an. Einen Namen hat die neue Hauptstadt des 265-Millionen-Einwohner-Landes noch nicht. Mit dem Umzug von Parlament und Regierung aus der aktuellen Hauptstadt Jakarta soll 2024 begonnen werden.

Ein wichtiger Grund für einen solchen Umzug ist, dass die Mega-City Jakarta mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern unter chronischem Verkehrschaos leidet. Tag für Tag gibt es dort extrem lange Staus. Im Großraum Jakarta leben sogar 30 Millionen Menschen. Die Küstenmetropole ist außerdem die am schnellsten sinkende Stadt der Welt. Hauptursache ist die exzessive Grundwassergewinnung. 40 Prozent ihrer Fläche befindet sich inzwischen unter dem Meeresspiegel. Zudem ist Jakarta immer wieder von schweren Erdbeben betroffen. Ein weiteres Problem ist die starke Luftverschmutzung.

Die Kosten einer neuen Hauptstadt werden auf 466 Billionen Rupiah (umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro) geschätzt. Zum Plan gehört, dass Jakarta Finanzmetropole bleibt. Die Regierung hofft auf größere Einnahmen aus dem Verkauf von Immobilien.

"Strategische Lage" im Herzen Indonesiens

RTS2IWVX.jpg

Die zehn Millionen Einwohner von Indonesiens Hauptstadt Jakarta leiden unter chronischem Verkehrschaos.

(Foto: REUTERS)

Dass es von der Insel Java nach Borneo geht, stand schon fest - bislang hatte aber auch zur Debatte gestanden, eine bestehende Stadt auszubauen. Als Alternative zu der Gegend um Balikpapan hatte bislang die 250.000-Einwohner-Stadt Palangkaraya gegolten, die ebenfalls auf Borneo liegt. Der Staatschef begründete die Wahl des neuen Ortes nun mit dessen "strategischer Lage". "Das ist im Herzen Indonesiens", sagte er. "Das Risiko von Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen ist minimal." Das entsprechende Gesetz soll bereits an diesem Dienstag eingebracht werden. Wenn der Umzug tatsächlich 2024 über die Bühne ginge, wäre dies im letzten Jahr seiner zweiten Amtszeit.

Vorbilder sind Länder wie Brasilien, Pakistan oder Myanmar, die ihre Hauptstädte in den letzten Jahrzehnten ebenfalls verlegt haben - und in gewissem Maße auch die Bundesrepublik mit dem Umzug von Bonn nach Berlin. Aktuell plant auch Ägypten einen Umzug: weg von Kairo, 50 Kilometer weiter in die Wüste.

Für das 1527 gegründete Jakarta (ursprüngliche Bedeutung: "Großer Sieg") geht damit ein halbes Jahrtausend Hauptstadtgeschichte in verschiedenen politischen Lagen zu Ende. Zwischenzeitlich hatten die niederländischen Kolonialherren die Stadt in Batavia umbenannt. Seit 1942 hat sie wieder den alten Namen.

Mit mehr als 17.000 Inseln und einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratkilometern ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Von den geschätzt 265 Millionen Einwohnern ist die große Mehrheit islamischen Glaubens. Damit ist Indonesien auch das bevölkerungsreichste muslimische Land.

Quelle: ntv.de, tro/dpa/AFP