Politik

Warum so zögerlich? Innensenator verteidigt G20-Einsatzstrategie

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Erst nachdem die Polizei die Gefahr für die eigenen Leute minimiert hatte, rückte sie gegen die Randalierer vor.

(Foto: dpa)

Für viele Laien ist der Polizeieinsatz gegen Randalierer im Schanzenviertel ein Rätsel. Warum können die Krawallmacher so lange ungehindert agieren, ehe die Straße geräumt wird? Hamburgs Innensenator nimmt die Einsatzleitung in Schutz.

Nach den stundenlangen Krawallen militanter Linksextremisten am Freitagabend im Hamburger Schanzenviertel hat Innensenator Andy Grote die Einsatzstrategie der Polizei gerechtfertigt. "Wir wären den Menschen, den Anwohnern am Schulterblatt gern früher zur Hilfe gekommen", sagte der SPD-Politiker. Das sei aufgrund der Bedrohung der Beamten durch die dort versammelten rund 1500 Autonomen aber nicht möglich gewesen. Erst hätten Dächer durch Spezialkräfte gesichert werden müssen.

Die Randalierer im Schanzenviertel hätten Straftaten von einer Qualität vorbereitet, wie "wir es so noch nicht erlebt haben", ergänzte der Hamburger Innensenator. Es seien Gehwegplatten, Molotowcocktails und Präzisionsschleudern vorbereitet worden, um sie gegen vorrückende Polizisten einzusetzen. "Es hatte deshalb Vorrang, dass wir die Einsatzkräfte dort nicht in Gefahr schwerster Verletzungen oder mehr bringen." Das sei erst nach dem Vorgehen der Spezialkräfte möglich gewesen.

"Wir wollten auf jeden Fall sicherstellen, dass wir die Kollegen nicht in Gefahr bringen und wir uns dann aber auch durchsetzen. Wir haben es alle so erlebt, dass der Zeitraum bis zum Vorrücken sehr lange war." Zur Polizeitaktik erklärte Grote: "Nichts wäre schlimmer gewesen, vorzurücken und sich dann wieder zurückzuziehen."

Distanzierung zu Gewalttätern gefordert

Das Risiko weiterer Ausschreitungen während des G20-Gipfels bestehe aber weiterhin, mahnte Grote. Zwar habe es inzwischen etwa 260 Fest- und Ingewahrsamnahmen gegeben. Die Gewalttäter seien aber "ganz überwiegend noch in der Stadt". Grote forderte die Bevölkerung Hamburgs dazu auf, sich von den Gewalttätern zu distanzieren. Es habe in den vergangenen Tagen immer wieder eine große Unterstützung von Schaulustigen für Randalierer gegeben. Wer keine Gewalt wolle, müsse Abstand zu Gewalttätern halten, sagt Grote.

Grote sprach den Einsatzkräften ein Lob aus. Die Polizei habe Großes geleistet, sagte Grote. Der heutige Tag verlaufe bisher ruhig, aber die Gewalt sei noch nicht zu Ende, sagte der Senator im Hinblick auf die Großkundgebung "Grenzenlose Solidarität statt G20". Er appellierte an den Anmelder der Veranstaltung, den Linken-Politiker Jan van Aken, darauf einzuwirken, dass der Protest friedlich vonstattengehe.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP/rts