Politik

Zwischen Annexion und MittelwegInsider: Spannungen im Weißen Haus über Grönland-Kurs

22.01.2026, 09:44 Uhr
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Vance und Rubio sollen verstärkt auf Diplomatie gedrängt haben. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Seit Langem betont Trump seine Besitzansprüche auf Grönland. In diesem Kurs wird er bestärkt von seinem Vizestabschef Miller. Doch der kann sich nicht durchsetzen.

Der Vorstoß von US-Präsident Donald Trump in der Grönland-Frage soll zu erheblichen Spannungen unter seinen engsten Beratern geführt haben. Wie die Agentur Reuters unter Berufung auf zwei Quellen aus dem Weißen Haus berichtet, drängten Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio auf einen diplomatischen Mittelweg.

Dagegen sei der stellvertretende Stabschef Stephen Miller offen dafür gewesen, eine Annexion und den Einsatz militärischer Gewalt als Optionen beizubehalten, hieß es weiter. Dieser hatte vor gut zwei Wochen auch bei CNN auf die wiederholte Frage eines Moderators, ob die Regierung einen Militäreinsatz zur Einnahme Grönlands ausschließe, gesagt: "Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn". Die USA sollten Grönland als Teil der Vereinigten Staaten "haben", betonte Miller. Dessen Frau, die Influencerin Katie Miller, sorgte für Aufsehen gesorgt, weil sie eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge gepostet hatte. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben ein einziges Wort: "BALD".

Die Idee, Zölle einzusetzen, stammt laut Quellen aus dem Weißen Haus von Handelsminister Howard Lutnick und anderen Kabinettsmitgliedern. Lutnick selbst reagierte bislang nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Am Mittwoch hatte Trump, der zuletzt verstärkt betont hatte, dass die USA Grönland bräuchten, in Davos eingelenkt. In seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte er, er werde zur Durchsetzung seiner Forderungen "keine Gewalt anwenden". Außerdem verzichtete er auf die angekündigten Strafzölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder.

Wie Reuters schreibt, waren offenbar mehrere Schlüsselmitglieder des Präsidententeams bezüglich eines möglichen Einsatzes militärischer Gewalt zur Besetzung des dänischen Territoriums zurückhaltend gewesen. Auf die Frage, warum Trumps Berater militärische Optionen in Bezug auf Grönland nicht ernsthaft verfolgten, antwortete die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly: "Das Weiße Haus schließt keine Optionen für Präsident Trump aus, es sei denn, er selbst tut dies." Weiter erklärte sie: "Er hat heute angekündigt, dass er keine Gewalt anwenden wird, um Grönland zu übernehmen, und die gesamte Regierung wird seinem Beispiel folgen". Die Vereinigten Staaten würden im Falle einer Einigung ihre Ziele in Grönland mit minimalen langfristigen Kosten erreichen würden.

Am Samstag hatte der US-Präsident in einem beispiellosen Schritt unter Verweis auf den Grönland-Konflikt Zölle gegen achte europäische Staaten angedroht - alle von ihnen Nato-Länder, die Widerstand gegen Trumps Besitzansprüche auf die Arktisinsel geäußert haben. Trump wollte ursprünglich ab 1. Februar Zölle in Höhe von 10 Prozent verhängen, ab dem 1. Juni Zölle in Höhe von 25 Prozent - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden. Aktuell gilt seit Sommer für die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/rts

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