Politik
Seit Mitte Oktober läuft die Offensive der irakischen Armee gegen die Peschmerga - jetzt soll diese für 24 Stunden ausgesetzt werden.
Seit Mitte Oktober läuft die Offensive der irakischen Armee gegen die Peschmerga - jetzt soll diese für 24 Stunden ausgesetzt werden.(Foto: picture alliance / Emad Matti/AP)
Samstag, 28. Oktober 2017

Gefechte im Nordirak ausgesetzt: Irak will Rückzug der Peschmerga erreichen

Im Nordirak schwelt ein arabisch-kurdischer Konflikt. Irakische Armee und Peschmerga erheben mit Waffengewalt Anspruch auf dieselben Gebiete. Die USA unterstützen beide Seiten im Kampf gegen den IS. Einen weiteren Bürgerkrieg wollen sie jetzt verhindern.

Ranghohe irakische und kurdische Militärs verhandeln während einer eintägigen Waffenruhe über den Rückzug kurdischer Peschmerga-Kämpfer aus umstrittenen Gebieten im Nordirak. Ein Sprecher des irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi nannte als Ziel die Stationierung von Regierungstruppen entlang der Grenzen ohne die Anwendung von Gewalt.

Peschmerga-Kämpfer könnten den teilweisen oder kompletten Rückzug ankündigen.
Peschmerga-Kämpfer könnten den teilweisen oder kompletten Rückzug ankündigen.(Foto: dpa)

Am Abend zuvor hatte al-Abadi angeordnet, die Truppenbewegungen der Armee im Konflikt mit den Peschmerga für 24 Stunden auszusetzen. Das gilt unter anderem für die Region um den türkisch-irakischen Grenzübergang Fischchabur. In dem Gebiet befinden sich mehrere Ölfelder, dort verläuft auch eine wichtige Pipeline. In dem Areal hatten sich irakische Regierungstruppen und kurdische Peschmerga vor der Waffenruhe heftige Artilleriegefechte geliefert. Bisher halten sich beide Seiten an die Feuerpause.

Die irakische Armee will diesen Moment nutzen, um ihre Truppen ohne weiteres Blutvergießen in alle umstrittene Gebiete und an Iraks Grenze zu entsenden. Al-Abadis Sprecher Saad al-Hadithi sagte, das Ziel der Verhandlungen sei außerdem die Rückkehr zur "blauen Linie " von 2003. Diese begrenzte die autonome Region Irakisch-Kurdistan auf die drei nördlichen Provinzen Erbil, Dohuk und Suleimanijah.

USA drängten zu Verhandlungen

Nach Angaben eines kurdischen Vertreters ging der Druck zu Verhandlungen von den USA aus. Diese rüsteten sowohl das irakische Militär als auch die Peschmerga im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auf. Laut eines Berichts der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" waren die Vereinigten Staaten zuvor von dem Vertreter der kurdischen Nationalregierung, Bajan Sami Rahman, dazu aufgefordert worden, Verantwortung zu übernehmen und einen drohenden weiteren Krieg abzuwenden.

Die irakischen Streitkräfte und verbündete Milizen hatten Mitte Oktober eine Offensive im Norden des Landes begonnen, um kurdische Peschmergakämpfer zurückzudrängen. Dabei nahmen sie die ölreiche Provinz Kirkuk ein - ein schwerer Verlust für die Kurden, die zuvor im Kampf gegen den IS große Geländegewinne erzielt hatten. Beide Seiten erheben Anspruch auf die betreffende Region.

Mit der Offensive reagierte Bagdad auf das kurdische Referendum vom 25. September, bei dem die Kurden fast geschlossen für die Unabhängigkeit gestimmt hatten. Die Regierung der autonomen Kurdenregion im Nordirak hatte angeboten, das Votum für die Unabhängigkeit "auszusetzen". Die Zentralregierung lehnte das aber ab und forderte eine vollständige Annullierung. Insgesamt strebt Bagdad mehr Kontrolle über die Minderheit an.

Die Peschmerga könnten einigen Forderungen zukünftig entgegenkommen: Die kurdische Nachrichtenseite "Rudaw" berichtete, dass Kurden-Präsident Massud Barsani einen Brief an das Regionalparlament in Erbil geschickt habe, der bei einer kommenden Sitzung vorgelesen werden soll. In dem Schreiben könnte Barsani demzufolge einen teilweisen oder kompletten Rückzug ankündigen. Informierte Kreise berichteten, der Brief enthalte die Ankündigung des Präsidenten, ab Anfang nächsten Monats aus dem Amt zu scheiden. Zuletzt waren die für den 1. November angekündigten Präsidentschaftswahlen im irakischen Kurdistan um acht Monate verschoben worden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen