Politik

Videos zeigen große Explosionen Iran feuert mutmaßlich Raketen in Richtung US-Konsulat im Irak

imago0055553313h.jpg

Der Iran unternimmt immer wieder Militärübungen mit Lang- und Mittelstreckenraketen, wie hier im Jahr 2011.

(Foto: imago stock&people)

In der Nacht werden zwölf Raketen in Richtung des US-Konsulats in Erbil im Nordwesten des Irak abgefeuert. Mutmaßlich soll der Angriff aus dem Iran erfolgt sein. Der irakische Premierminister verurteilt den "Angriff auf die Sicherheit unseres Volkes", Washington spricht von einem "abscheulichen Angriff".

Wie die israelische Zeitung "Jerusalem Post" mit Verweis auf die irakische Nachrichtenagentur (INA) berichtet, wurden in der Nacht zum Sonntag mehrere Raketen in Richtung des US-Konsulats in Erbil, Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordwesten des Irak, abgefeuert. Die Informationen ließen sich bisher nicht unabhängig prüfen.

Etwa 12 Raketen sollen vom iranischem Gebiet aus abgefeuert worden sein. Sie schlugen in der Nähe des US-Konsulats ein. Der kurdische Dienst für Terrorismusbekämpfung gab bekannt, dass die Raketen von "außerhalb der Grenzen des Irak und der Region Kurdistan, insbesondere aus dem Osten" abgefeuert wurden, so INA. Der Irak grenzt im Osten an den Iran.

Der Statthalter von Erbil, Omed Choschnaw, erklärte, dass mehrere Raketen in dem Gebiet eingeschlagen seien, wobei unklar sei, ob das Ziel das US-Konsulat oder der Flughafen der Stadt gewesen sei. Ein Teil des Flugplatzes wird auch vom US-Militär genutzt. Angeblich könnten auch zwei Trainingszentren des israelischen Geheimdienstes Mossad Ziel des Angriffs gewesen sein. In den sozialen Medien verbreitete Videos zeigen mehrere große Explosionen in der Gegend.

Die Agentur Reuters berichtet unter Verweis auf Regierungsbeamte, dass es keine Opfer unter dem militärischen Personal in Erbil gegeben. Es soll bei dem Angriff auch keine anderen Verletzten oder Tote gegeben haben.

Nach Angaben Washingtons wurde das US-Konsulat nicht getroffen. Es habe "keine Schäden oder Opfer in einer US-Einrichtung" gegeben, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums, der den "abscheulichen Angriff" verurteilte.

Laut der "Jerusalem Post" hätten unabhängige Open-Source-Intelligence-Konten (ein Begriff aus der Welt der Nachrichtendienste, bei dem für die Nachrichtengewinnung Informationen aus frei verfügbaren, offenen Quellen gesammelt werden) Videos verbreitet, die von iranischen Zivilisten stammen sollen und angeblich zeigen, dass zum Zeitpunkt des Angriffs Raketen aus dem Iran abgefeuert wurden. Laut der Zeitung konnte mindestens eines der Videos einem Standort in Khasabad in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan zugeordnet werden.

Der Irak wird immer wieder in den Konflikt zwischen seinem Nachbarn Iran und den USA hineingezogen. In den vergangenen Jahren richteten sich dutzende Raketen- und Drohnenangriffe gegen US-Truppen und deren Interessen im Irak. Die Attacken werden pro-iranischen Gruppierungen im Irak angelastet.

"Angriff auf die Sicherheit unseres Volkes"

Der irakische Premierminister Mustafa al-Kadhaimi twitterte als Reaktion auf den Raketenangriff auf Erbil: "Die Aggression, die auf die liebe Stadt Erbil abzielte und Angst unter ihren Einwohnern verbreitete, ist ein Angriff auf die Sicherheit unseres Volkes." Er habe die Entwicklungen mit dem Premierminister der Region Kurdistan, Masrour Barzani, besprochen. "Unsere Sicherheitskräfte werden alle Bedrohungen für unser Volk untersuchen und standhaft dagegen stehen."

Barzani, reagierte am Samstagabend auf den Anschlag und sagte laut "Jerusalem Post": "Ich verurteile den Terroranschlag auf Teile von Erbil aufs Schärfste und rufe die tapfere und geduldige Bevölkerung von Erbil auf, geduldig zu sein und den Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu folgen."

Nach Angaben von Kurdistan 24 wurde auch das Studio des TV-Senders in dem Gebiet bei dem Angriff beschädigt. Auf dem Facebook-Account des Senders wird live über die Raketen und das verwüstete Studio berichtet.

Der Raketenangriff erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die Verhandlungen in Wien über die Rückkehr zum Atomabkommen mit dem Iran ins Stocken geraten sind. Vorher hatte es jedoch substanzielle Fortschritte in den Verhandlungen gegeben. Der Hohe Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Josep Borrell, twitterte am Freitag, dass die Gespräche aufgrund "externer Faktoren" eine "Pause" benötigten. Borrell fügte hinzu, dass ein endgültiger Text "im Wesentlichen fertig" sei und "auf dem Tisch" liege.

Quelle: ntv.de, dbe

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen