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Vergeltung für Soleimani-Tötung Iran sieht 35 mögliche US-Ziele

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Mögliche Ziele? Zwei Schiffe der US-Navy (Hintergrund) zusammen mit einer Fregatte der australischen Marine im Persischen Golf.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die iranischen Revolutionsgarden wollen nach dem Tod ihres Topgenerals Soleimani die USA bestrafen. Und zwar dort, "wo immer die Amerikaner erreichbar" sind, wie sie verkünden. Washington soll Teheran unterdessen bereits kontaktiert haben - um eine mögliche Racheaktion abzumildern.

Die iranischen Revolutionsgarden drohen den USA wegen der Tötung des einflussreichen Generals Kassem Soleimani mit Vergeltung im Nahen Osten und schließen auch Angriffe in der Straße von Hormus nicht aus. Der Iran werde die Amerikaner bestrafen, wo immer sie erreichbar seien, sagte der Kommandeur der Eliteeinheit in der Provinz Kerman, General Gholamali Abuhamseh, der Nachrichtenagentur Tasnim zufolge. "Die Straße von Hormus ist ein wichtiger Punkt für den Westen, und viele amerikanische Zerstörer und Kriegsschiffe passieren sie."

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Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani will die USA nach der gezielten Tötung von General Ghassem Soleimani nicht ungestraft davonkommen lassen. "Wenn wir nichts unternehmen, dann werden die (USA) demnächst noch frecher", sagte Ruhani in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan. Die USA hätten einen schweren Fehler begangen und es wäre nicht ratsam, solchen irrationalen Aktionen gegenüber zu schweigen, sagte der Präsident nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna.

Ruhani: Iran will keine Spannungen

Kritik an den USA übte Ruhani auch bei einem Treffen mit dem Außenminister Katars am Samstag. "Was die USA gemacht haben, war ein terroristischer Akt und dafür müssen sie einen hohen Preis bezahlen", sagte Ruhani zu Mohammed bin Abdelrahman Al Thani in Teheran. Der Iran will nach den Worten Ruhanis zwar keine Spannungen in der Region, aber die USA müssten wegen dieser kriminellen Handlung zur Rechenschaft gezogen werden.

Das US-Militär hatte am Freitag Soleimani, den Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, in der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Dort versammelten sich Tausende zum Trauerzug für Soleimani und den führenden Kommandeur irakischer Schiiten-Milizen, Abu Ahdi al-Muhandis, der ebenfalls bei dem von US-Präsident Donald Trump angeordneten Angriff getötet wurde.

Das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte den USA bereits mit massiver Vergeltung gedroht. Der General der Revolutionsgarden, Abuhamseh, sagte nun, im Nahen Osten seien seit langem wichtige US-Ziele ausgemacht. 35 US-Stellungen in der Region und in der israelischen Stadt Tel Aviv lägen in Reichweite des Irans.

Angriffe in der Straße von Hormus könnten auch erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Die Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist einer der wichtigsten Schifffahrtswege weltweit. Durch die Meerenge geht etwa ein Fünftel der weltweiten Öltransporte.

Garden: USA fordern bei Rache Verhältnismäßigkeit ein

Ausmaß und Folgen einer möglichen Vergeltungsaktion des Irans bleiben jedoch unklar. Die US-Regierung soll nach der Tötung Soleimanis inoffiziell Kontakt zur Regierung in Teheran gesucht haben. Die iranische Revolutionsgarden erklärten, dabei habe Washington gefordert, im Falle einer Reaktion des Irans auf den US-Angriff diese "verhältnismäßig" ausfallen zu lassen. Dies sagte der stellvertretende Befehlshaber der Revolutionsgarden, Ali Fadawi, nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens.

"Wenn Ihr Rache wollt, dann nehmt Rache im Verhältnis zu dem, was wir getan haben", erklärten die USA den Angaben zufolge der Regierung in Teheran. Die Vereinigten Staaten seien aber nicht in der Position, die Reaktion des Iran zu bestimmen, fügte Fadawi in seinen auf der Internetseite des Staatsfernsehens veröffentlichten Aussagen hinzu. Die USA müssten mit einer "harten" Antwort rechnen. Wie die Nachricht der USA an Teheran übermittelt worden sein soll, sagte Fadawi nicht. Teheran und Washington unterhalten seit 40 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte seinerseits, der diplomatische Vertreter der Schweiz habe am Freitag eine "dumme Nachricht der Amerikaner" übermittelt. Der Diplomat sei am Abend einbestellt worden und habe eine "entschiedene schriftliche Antwort" auf den "dreisten Brief" der USA erhalten. Die Schweizer Botschaft vertritt seit 1980 die Interessen der USA im Iran. Das Schweizer Außenministerium bestätigte inzwischen, dass sein diplomatischer Vertreter dem iranischen Außenministerium einen Brief aus Washington übergeben habe.

Soleimani und der irakische Milizenführer Abu Mehdi al-Muhandis sowie acht weitere Menschen waren in der Nacht zum Freitag durch einen US-Drohnenangriff nahe Bagdad getötet worden. Nach der gezielten Tötung stehen die Zeichen zwischen dem Iran und den USA auf Eskalation. Die USA kündigten die Entsendung von 3000 bis 3500 zusätzlichen Soldaten in die Golfregion an. Teheran drohte Washington Vergeltung an.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts