Schiffe meiden Straße von HormusIranische Behörde warnt Reedereien vor "menschlichen Verlusten"

Angesichts der Blockade der Straße von Hormus suchen Handelsschiffe vermehrt Ausweichrouten. Teheran könnte damit in den US-Verhandlungen ein Druckmittel verlieren. Die iranische Behörde verschärft nun den Tonfall gegen die zivile Schifffahrt.
Die vom Iran zur Verwaltung der Straße von Hormus eingerichtete Behörde PGSA hat Schiffe vor Konsequenzen gewarnt, wenn sie "nicht autorisierte" Routen in der Region befahren. "Dieses Vorgehen birgt nicht nur das Risiko finanzieller und menschlicher Verluste für das Schiff, die Reederei, den Kapitän und die Besatzung, sondern schränkt auch die künftige Durchfahrt des Schiffes durch die Straße von Hormus erheblich ein", teilte die PGSA bei X mit.
Schiffe, die iranische Beschränkungen umgehen wollen, fuhren zuletzt verstärkt entlang der omanischen Küste. Schiffseigner müssten mit Blick auf solche "rechtswidrigen Handlungen die gebotene Sorgfalt walten lassen", drohte Teheran. Im Falle von Verstößen durch Charterer müssten alle Schiffe der betroffenen Unternehmen künftig mit Einschränkungen rechnen.
Die Kriegsparteien ringen schon länger um die vollständige Wiedereröffnung der blockierten Straße von Hormus. Zuletzt hatte der Iran den USA laut dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi über Katar einen "Sieben-Tage-Plan" übermittelt. Die USA sollten demnach bestimmte Anforderungen erfüllen. Im Anschluss sollte die Meerenge wieder geöffnet werden.
Laut dem "Wall Street Journal" gehörte zu den Forderungen, dass die USA ihre Seeblockade aufheben. US-Präsident Donald Trump hatte den iranischen Vorschlag abgelehnt. Das Angebot sei nicht annehmbar gewesen, sagte Trump vor Journalisten am Weißen Haus.
Der Oman hat die Konfliktparteien im Nahen und Mittleren Osten zu Zurückhaltung und Dialog aufgerufen und sich erneut als Vermittler angeboten. Die Beteiligten sollten ihre Streitigkeiten durch "Zurückhaltung und Weitsicht" sowie politische Gespräche beilegen, sagte Außenminister Badr al-Busaidi bei der UN-Generaldebatte in New York. Der Oman werde seine Bemühungen um die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus fortsetzen, sagte al-Busaidi weiter. Er rief alle Seiten auf, dabei mit seinem Land zusammenzuarbeiten.
Vor dem Ende Februar von den USA und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran verlief die Schifffahrt in der Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman weitestgehend ungestört. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde durch die Straße von Hormus transportiert, die auch für den Transport von Flüssiggas und Dünger von zentraler Bedeutung ist. Nach Kriegsbeginn brachte der Iran den Schiffsverkehr mit Drohungen und Angriffen fast zum Erliegen. In der Folge stiegen die Weltmarktpreise für Öl und Gas sprunghaft an.