Politik

Flugzeug-Abschuss geleugnet Iranische Zeitungen fordern Rücktritte

128370144.jpg

Iranische Studenten protestierten gestern vor der Amirkabir Universität nach einer Trauerfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erst nach mehreren Tagen gibt die iranische Führung zu, dass das ukrainische Passagierflugzeug vom Militär abgeschossen wurde. Das macht viele Iraner wütend. Der Ruf nach Konsequenzen findet sich auch in iranischen Zeitungen wieder.

Die iranische Führung gerät wegen des Abschusses einer ukrainischen Passagiermaschine zunehmend auch im eigenen Land unter Druck. Nach Protesten in zahlreichen Städten am Samstag legten an diesem Sonntag mehrere Zeitungen nach. "Entschuldigen und zurücktreten", forderte etwa die moderate "Etemad" auf ihrer Titelseite. Das Volk verlange, dass die für den Abschuss Verantwortlichen ihre Posten räumten.

In einem Kommentar der ebenfalls moderaten Tageszeitung "Jomhuri-ye Eslami", oder "Islamische Republik", hieß es: "Diejenigen, die die Veröffentlichung der Ursache für den Flugzeugabsturz verzögert und das Vertrauen der Bevölkerung in das Establishment beschädigt haben, sollten entlassen werden oder zurücktreten."

Die Zeitung "Iran" veröffentlichte die Namen sämtlicher Opfer des Unglücks, unter denen zahlreiche in ihrer Heimat und im Ausland lebende Iraner waren. Die Zeitung "Dschawan", die den Revolutionsgarden nahe steht, entschuldigte sich "zutiefst" für den "schmerzlichen Fehler".

Der Iran hatte am Samstag nach tagelangem Leugnen zugegeben, dass der Absturz der ukrainischen Passagiermaschine am Mittwoch nicht auf einen Defekt zurückging, sondern durch einen Raketenbeschuss verursacht wurde. Dies sei unabsichtlich geschehen. Die Revolutionsgarden übernahmen die Verantwortung. Alle 176 Insassen starben, darunter viele Iraner mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Berichte über erneute Proteste

Medienberichten zufolge soll es an diesem Sonntag erneut Proteste gegeben haben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Isna nahmen Hunderte Menschen an Kundgebungen an den Universitäten Beheschti und Alarme Tabatabei teil. Demnach gab es zunächst Trauerzeremonien für die Todesopfer, danach wurden der Abschuss angeprangert und auch die tagelange Vertuschung der Fakten durch die iranischen Behörden und Medien. Viele forderten den Rücktritt der zuständigen Verantwortlichen, hieß es weiter.

Außerdem waren Augenzeugenberichten zufolge in Teheran Polizei- und Sicherheitskräfte wegen eventueller Demonstrationen an verschiedenen Plätzen der Hauptstadt stationiert. Auch in den sozialen Medien machten Unmutsäußerungen die Runde.

Demonstranten rufen "Tod dem Diktator"

Schon am Samstagabend war es nach dem Eingeständnis in mehreren iranischen Städten zu Protesten gekommen, darunter in Teheran, wo Tausende gegen den politischen und religiösen Führer Ajatollah Ali Chamenei demonstrierten und "Tod dem Diktator" skandierten. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Kritik an den iranischen Behörden ist nichts Ungewöhnliches. Sie bewegt sich jedoch in der Regel in engen Grenzen. US-Präsident Donald Trump schlug sich auf die Seite der Demonstranten. In Twitter-Botschaften, die auf Englisch und in Farsi verfasst waren, schrieb er: "Wir verfolgen euren Protest genau und sind von eurem Mut inspiriert."

Derweil kündigte das Parlament in Teheran eine Untersuchung zum Abschuss des Flugzeugs an. Die Parlamentsausschüsse für Sicherheit und Außenpolitik sollten sich mit diesem "schwerwiegenden Zwischenfall" befassen und nach Wegen suchen, wie ähnliche Katastrophen in der Zukunft vermieden werden können, sagte Parlamentspräsident Ali Laridschani. Auch internationale Experten unter anderem aus der Ukraine waren für Untersuchungen in den Iran gereist.

Quelle: ntv.de, hul/rts/AFP/dpa