Plan für den KontrollverlustIranisches Oberhaupt erwägt offenbar Flucht nach Moskau

Seit Ende Dezember gibt es im Iran zunehmend heftige Proteste gegen das Regime. Der geistliche und politische Führer der Islamischen Republik macht sich einem Bericht zufolge Sorgen um die eigene Sicherheit und schmiedet Fluchtpläne.
Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, will im Falle einer Intensivierung der Proteste gegen das iranische Regime offenbar nach Russland fliehen. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" würde der 86-jährige Chamenei mit 20 engen Vertrauten und Familienmitgliedern das Land verlassen, falls die iranischen Sicherheitskräfte desertieren oder die zunehmenden Proteste nicht niederschlagen können.
Der Iran wird seit Ende Dezember von landesweiten Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage erschüttert. Zunächst demonstrierten vor allem Händler in Teheran, später schlossen sich auch Studenten in zahlreichen Städten der Protestbewegung an. Dabei sind nach Angaben von Aktivisten schon mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten sollen sich auch zwei Angehörige der Sicherheitskräfte befinden.
Die "Times" beruft sich auf einen Geheimdienstbericht, wonach Chameneis Sohn und möglicher Nachfolger Mojtaba ebenfalls mit nach Moskau fliehen würde. Für den Geistlichen gebe es keinen anderen Zufluchtsort als die russische Hauptstadt, heißt es. Der Fluchtplan könne insbesondere dann aktiviert werden, wenn die Proteste gewaltsamer werden und die iranischen Sicherheitskräfte Chameneis Befehlen nicht mehr Folge leisten.
Proteste bislang nicht so heftig wie 2022
Seit 36 Jahren ist Ajatollah Ali Chamenei der mächtigste Mann im Iran. Der 86-Jährige ist das geistliche Oberhaupt und zugleich der politische Führer der Islamischen Republik. Ohne ihn geht nichts in dem schiitischen Staat. Chamenei hat offiziell immer das letzte Wort.
Das Ausmaß der Proteste erreichte bisher nicht das der Massendemonstrationen von 2022, die durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini in Polizeigewahrsam ausgelöst worden waren. Während jener Proteste waren hunderte Menschen, darunter dutzende Sicherheitskräfte, getötet worden. Tausende Menschen wurden inhaftiert. Mehrere der Festgenommenen wurden hingerichtet. Laut der UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte im Iran, Mai Sato, deuteten Berichte auf "eine zunehmende Konfrontation zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften" hin.