Politik

Noch kein Zeichen von Chamenei Irans neuer oberster Führer ist offenbar verletzt

11.03.2026, 11:59 Uhr
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Modschtaba Chamenei (vorn) ist derzeit nur auf Bildern präsent. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Modschtaba Chamenei ist seit mehr als drei Tagen der neue oberste Führer im Iran. Seitdem hat er sich noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt. Berichten zufolge ist er zu Kriegsbeginn bei den Luftangriffen auf Teheran verletzt worden. Zudem könnte ihn ein Auftritt das Leben kosten.

Je länger seine Abwesenheit andauert, umso auffälliger ist sie. Auch drei Tage nach seiner Ernennung zum neuen obersten Anführer des Irans ist Modschtaba Chamenei weder öffentlich oder in einem Video aufgetreten noch hat er sich schriftlich zu Wort gemeldet. Medienberichten zufolge soll dies vor allem zwei Gründe habe. So sei der 56-Jährige am ersten Tag der US-israelischen Angriffe auf den Iran verletzt worden, sagen drei iranische Beamte und zwei israelische Militärs der "New York Times".

Chamenei habe unter anderem Verletzungen an den Beinen, sei jedoch bei Bewusstsein und halte sich an einem sicheren Ort mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten auf, so die iranischen Beamten, die anonym bleiben wollen. Dies sei ihnen von hochrangigen Regierungsmitarbeitern mitgeteilt worden. Über die genauen Umstände machen sie keine Angaben. Auch die israelischen Offiziellen sprechen von Beinverletzungen, die er am 28. Februar erlitten habe. Nach Einschätzung israelischer Geheimdienste wurde Chamenei leicht verletzt. Darum sei er nicht in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen, sagt ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. 

Präsidenten-Sohn: Chamenei ist "wohlauf"

Derweil teilte Jussef Peseschkian, der Sohn des iranischen Präsidenten, bei Telegram mit, Chamenei ginge es gut. "Ich habe Freunde mit Verbindungen gefragt. Sie sagten mir, dass er Gott sei Dank wohlauf ist", erklärte Peseschkian, der auch als Regierungsberater fungiert. In iranischen Staatsmedien wird Chamenei als "verwundeter Veteran" und oberster Führer bezeichnet.

Inmitten des Kriegs warten Regierungsanhänger und Beobachter nun gespannt auf die erste Rede von Modschtaba Chamenei und darauf, welchen politischen Kurs er einschlagen wird. Es seien keine Pläne bekannt, wann und ob sich Chamenei äußern werde, hieß es aus Parlamentskreisen. Mehrere Abgeordnete tappen demnach selbst im Dunkeln.

Gespanntes Warten im Macht-Zirkel

Die Regierung selbst, darunter Präsident Massud Peseschkian, soll einem anderen Medienbericht zufolge aktuell keinen Kontakt zum neuen Staatsoberhaupt haben. "Die Minister der Regierung haben keine Nachrichten von ihm und soweit ich weiß, hatte Herr Peseschkian selbst keinen Kontakt", sagte eine hochrangige Quelle aus der Regierung dem gut informierten Exilportal "Iranwire". Im Kabinett herrsche große Verwirrung. Die mächtigen Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, arbeiten dem Bericht zufolge jedoch "mit großer Koordination".

Modschtaba Chamenei war am Sonntag zum Nachfolger seines Vaters Ali Chamenei ernannt worden. Der bisherige Machthaber war am 28. Februar bei israelischen Luftangriffen in Teheran getötet worden. Wie die "New York Times" meldet, starben bei den Angriffen unter anderem auch die Frau und die Mutter des neuen obersten Führers.

Kommunikation könnte Aufenthaltsort verraten

Dass es um Chamenei still ist, hat den drei iranischen Beamten zufolge einen weiteren Grund. Demnach wird befürchtet, dass jede Kommunikation dem israelischen Militär seinen Aufenthaltsort verraten und ihn in Gefahr bringen könnte. Wie die Zeitung weiter berichtet, hatten israelische Kampfjets am Freitag die verbliebenen Gebäude des Büros und Wohnkomplexes des Obersten Führers bombardiert, nachdem bekannt wurde, dass der 56-Jährige der Favorit für die Nachfolge ist.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete Chameneis Ernennung als "enttäuschende" Wahl. "Ich glaube nicht, dass er in Frieden leben kann", sagt er am Montag bei dem Sender Fox News. Dem Sender NBC News zufolge sprach Trump zudem von einem großen Fehler hinsichtlich der neuen Führung. " Ich weiß nicht, ob das von Dauer sein wird."

Quelle: ntv.de, hul/dpa

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