Politik

Sorge vor neuem Terrornest Ischinger fordert Gespräche mit Taliban

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Die Taliban haben die Macht in Afghanistan weitgehend zurückerobert.

(Foto: REUTERS)

Sollte man mit den Taliban verhandeln? Man muss es sogar, sagt der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger. Ihre Machtergreifung sei eine geostrategische Herausforderung.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat der Weltgemeinschaft nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan zu Gesprächen mit den militanten Islamisten geraten. "Man muss in der Außenpolitik in der Tat vor allen Dingen mit denen reden, die nicht die Freunde sind. Mit den Freunden kann man abendessen. Mit den Gegnern, mit den Schwierigen, auch mit den Verbrechern muss man reden", sagte Ischinger in der ARD.

Derzeit gehe es vor allem um eine geostrategische Herausforderung. "Was will die Weltgemeinschaft denn mit Afghanistan machen?" Nicht nur der Westen sei daran interessiert, dass in Afghanistan kein Terrornest entstehe. "Auch China, Russland, Indien und andere Anrainer können daran kein Interesse haben", sagte Ischinger. Deshalb habe er "eine gewisse Hoffnung", dass die Beratungen, die heute im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York beginnen sollen, zu etwas führen können.

UN-Generalsekretär António Guterres und die Vertreter der ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder - USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - wollen unter anderem über eine mögliche UN-Sicherheitszone in Kabul sprechen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Sonntag der Zeitung "Le Journal du Dimanche" gesagt: "Unser Resolutionsentwurf zielt darauf ab, eine Sicherheitszone in Kabul zu definieren, die eine Fortsetzung der humanitären Operationen ermöglicht". Am Dienstag geht die internationale Evakuierungsmission, die nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August eingeleitet wurde, mit dem Abzug der letzten US-Soldaten offiziell zu Ende.

Maas plant keine persönlichen Gespräche

Bundesaußenminister Heiko Maas betonte hingegen, er wolle nicht selbst mit den militant-islamistischen Taliban über die Ausreise schutzsuchender Afghanen reden. Der Gesprächspartner der Bundesregierung für die Taliban sei der Diplomat Markus Potzel, der derzeit mit Vertretern der neuen afghanischen Machthaber im Golfemirat Katar verhandelt. "Das ist der Kanal, den wir nutzen." Das werde man auch weiter tun.

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Maas befindet sich gerade auf einer viertägigen Reise durch fünf Länder, die eine Rolle für die Ausreise schutzbedürftiger Menschen spielen. In Katar will er auch Potzel treffen, der eigentlich im August als Botschafter nach Kabul entsandt werden sollte. Nach der Machtübernahme der Taliban ist die deutsche Botschaft dort geschlossen worden, alle deutschen Diplomaten haben das Land verlassen.

US-Außenminister Antony Blinken will im Lauf des Tages den weiteren Umgang mit Afghanistan unter anderem mit Vertretern Deutschlands, Katars, der Türkei und der EU besprechen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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