Iran kündigt Vergeltung anNach Israels Angriff auf Gasanlagen droht "umfassender Wirtschaftskrieg"

Eskalieren im Iran-Krieg die Attacken auf die Energieinfrastruktur in der Region? Nach einem israelischen Angriff auf Anlagen, die zum größten Gasfeld der Welt gehören, kündigt das iranische Militär Vergeltungsschläge gegen Öl- und Gasanlagen in mehreren Golfstaaten an.
Nach Angriffen auf seine Gasindustrie droht der Iran im Krieg mit Israel und den USA, seinerseits Gasfelder und Raffinerien in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar zu attackieren. Die Militärführung begründete dies damit, dass zivile und lebenswichtige Infrastruktur angegriffen worden sei, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Die Zeit begrenzter Gefechte sei vorbei. Das Kriegspendel bewege sich in Richtung eines "umfassenden Wirtschaftskriegs". Sollten die Revolutionsgarden ihre Drohung wahr machen, Einrichtungen der Energieindustrie in den Nachbarländern anzugreifen, würden diese noch weiter in den Krieg mit hineingezogen.
Medien berichteten unter Berufung auf israelische Regierungskreise, dass die Luftwaffe des Landes die Angriffe auf die Gasindustrie am Persischen Golf geflogen habe. Betroffen seien petrochemische Anlagen bei der Industriestadt Asalujeh, berichteten die Nachrichtenagenturen Tasnim und Mehr. Bei Asalujeh am Persischen Golf liegt mit "South-Pars" das größte Gasfeld der Welt, das sich der Iran mit Katar teilt. Die Region ist zentral für den iranischen Energiesektor und deckt etwa 70 Prozent der heimischen Gasversorgung. Ein Sprecher des katarischen Außenministeriums warf Israel einen "gefährlichen und unverantwortlichen Schritt" inmitten der militärischen Eskalation vor.
Die mit den iranischen Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte eine dringende Warnung an die Bevölkerung in mehreren Golfstaaten. Darin werden die Menschen aufgefordert, wichtige Öl- und Gasstandorte in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar unverzüglich zu verlassen, da diese zu "direkten und legitimen Zielen" geworden seien, die innerhalb weniger Stunden angegriffen werden könnten.
Berichten zufolge begann der saudische Öl-Riese Aramco damit, einige seiner Ölanlagen zu evakuieren. Laut "Bloomberg" teilte das Unternehmen mit, dass es Personal aus seinen Anlagen in Samref und Jubail abziehe.
Experte: Angriffe treffen "gewöhnliche Iraner"
Fast das gesamte vom Iran geförderte Erdgas sei für den heimischen Gebrauch bestimmt, schrieb der Iran-Experte Mohammad Ali Shabani auf X. Die Angriffe zielten folglich darauf, "langfristig die Stromversorgung und die Versorgung mit Kochgas für Millionen gewöhnliche Iraner zu untergraben". Das irakische Energieministerium teilte am Nachmittag mit, dass die Gaslieferungen aus dem Iran komplett eingestellt worden seien.
Das gigantische Vorkommen des größten Gasfelds der Welt liegt vor der iranischen Küste, tief unter dem Meeresboden im Persischen Golf und wird seit vielen Jahren von Katar und dem Iran getrennt ausgebeutet. Seine Fläche ist mit 9700 Quadratkilometern etwa viermal so groß wie das Saarland, wovon etwas mehr als zwei Drittel zur Wirtschaftszone Katars gehören. Allein in Katars "Nordfeld" (englisch auch "North Dome Field") liegen nach Angaben des Konzerns QatarEnergy etwa zehn Prozent der weltweit bekannten Gas-Vorkommen. Der kleinere Teil des Gasfelds, genannt "South Pars", wird von der Islamischen Republik Iran ausgebeutet, die Produktion ist deutlich geringer als die Katars.
Die Ölindustrie im Iran ist vor allem in der weiter westlich gelegenen Provinz Chusestan angesiedelt. Die iranische Staatsführung erzielt durch den Ölverkauf ihre wichtigsten Einnahmen - mit China als bedeutendstem, wenn auch inoffiziellem Abnehmer.
In der zweiten Woche des Krieges hatte Israels Luftwaffe bereits Öldepots in Teheran bombardiert und in Flammen gesetzt. Experten warnten damals vor massiven, auch langfristigen Umweltschäden. Die Weltgesundheitsorganisation warnte vor der Gefahr einer Kontamination von Lebensmitteln, Wasser und Luft. Die iranische Militärführung drohte im Gegenzug mit Angriffen auf Ölanlagen in der Golfregion.