Regimewechsel ging schiefIsrael wollte Hardliner-Antisemiten im Iran an die Macht bringen

Einem Bericht zufolge wollten die USA und Israel ausgerechnet den früheren iranischen Präsidenten Ahmadinedschad als neuen Machthaber installieren. Der von Israel entwickelte Plan platzte, als dieser bei einem Luftangriff verletzt wurde.
Als die USA und Israel den Iran angriffen, hatten sie offenbar einen konkreten Plan für den ursprünglich von ihnen angestrebten Regimewechsel. Nach Informationen der "New York Times" sollte der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad die Macht übernehmen.
Zu Beginn des Kriegs hatte US-Präsident Donald Trump kein Geheimnis daraus gemacht, dass die USA nach der gezielten Tötung des "obersten Führers" Ajatollah Ali Chamenei eine neue Führung installieren wollten. "Wir werden mit dem (iranischen) Volk und dem Regime arbeiten, um sicherzugehen, dass da jemand hinkommt, der den Iran schön aufbauen kann, aber ohne Nuklearwaffen", sagte Trump drei Tage nach Beginn der Angriffe auf den Iran.
Der Regimewechsel fand allerdings nicht statt. Nachfolger von Ali Chamenei wurde sein Sohn Modschtaba Chamenei. Im Iran liegt die eigentliche Macht in den Händen des "Obersten Führers". Der Präsident hat lediglich das zweithöchste Amt, er muss den Anweisungen des "Obersten Führers" Folge leisten.
Wie Ahmadinedschad in diesem System als von außen installierter Präsident die Macht hätte übernehmen können, geht aus dem Bericht der "New York Times" nicht hervor. Die Zeitung schreibt selbst, viele Fragen über das israelisch-amerikanische Vorhaben seien ungeklärt.
Bei Befreiungsangriff verletzt
Der Plan, Ahmadinedschad an die Macht zu bringen, sei von der israelischen Regierung entwickelt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Vertreter der US-Regierung und auf einen Vertrauten von Ahmadinedschad. Trump hat mehrfach bestritten, vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zu diesem Krieg überredet worden zu sein.
Der iranische Ex-Präsident wurde dem Bericht zufolge sogar eingeweiht. Allerdings wurde Ahmadinedschad bereits am ersten Tag des Kriegs durch einen israelischen Angriff auf sein Wohnhaus in Teheran verletzt.
Eigentlich habe der Angriff dazu dienen sollen, Ahmadinedschad aus seinem Hausarrest zu befreien - lediglich seine Wächter wurden getötet. Nach dem Beinahe-Treffer habe Ahmadinedschad jedoch den Glauben an das Vorhaben verloren, so die "New York Times". Öffentlich ist er seit Beginn des Kriegs nicht aufgetreten, über seinen Verbleib gibt es keine Informationen.
Hetzer gegen Israel und die USA
Als Politiker zählte Ahmadinedschad in jeder Hinsicht zu den Hardlinern. Trotzdem fiel er gegen Ende seiner Amtszeit in Ungnade. In späteren Jahren ging er zunehmend auf Distanz zur offiziellen Regierungspolitik. So lobte er den ukrainischen Widerstand gegen die russische Invasion, obwohl Russland ein enger Verbündeter des iranischen Regimes ist. Zu Präsidentschaftswahlen wurde er von den Behörden nicht wieder zugelassen. Während der Proteste im Winter 2025/2026 wurde Ahmadinedschad unter Hausarrest gestellt.
Dennoch wäre Ahmadinedschad als neuer Machthaber im Iran in mehrfacher Hinsicht eine überaus erstaunliche Lösung gewesen: Als Präsident von 2005 bis 2013 fiel er mit besonders wüsten Hetzreden gegen Israel und die USA auf. Sein zur Schau getragener Antisemitismus ging über das für das iranische Regime übliche Maß hinaus: 2006 etwa veranstaltete er in Teheran eine Konferenz von Holocaustleugnern und anderen Rechtsextremen. Das Atomprogramm, das Israel und die USA mit ihrem Krieg beseitigen wollen, trieb Ahmadinedschad aggressiv voran. Nach seiner Wiederwahl 2009 gab es Massenproteste gegen ihn, die er blutig niederschlagen ließ.
Erst vor einem Jahr war Ahmadinedschad in Ungarn
Die "New York Times" verweist zugleich auf ein 2019 von ihr geführtes Interview mit Ahmadinedschad, in dem dieser Trump als "Mann der Tat" bezeichnet. Personen aus dem Umfeld Ahmadinedschads seien im Iran als israelische Agenten bezeichnet worden. Er selbst habe vor einem Jahr eine Reise nach Ungarn unternommen. Der damalige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán war ein enger Verbündeter von Trump und Netanjahu. Ob das alles allerdings relevante Indizien sind, bleibt offen.
Die Zeitung bilanziert, dass der Plan zeige, wie falsch die Kalkulation von Trump und Netanjahu gewesen sei. Selbst Trumps eigene Mitarbeiter hätten das Vorhaben für wenig überzeugend gehalten. Trump habe geglaubt, er könne das Vorgehen in Venezuela wiederholen: einen Machthaber beseitigen und mithilfe von Personen aus dem bisherigen Machtapparat ein Regime installieren, das mit ihm kooperiert.