Politik
Israelische Panzer auf den Golanhöhen. Israel hält die Hügelkette seit dem Sechstagekrieg besetzt.
Israelische Panzer auf den Golanhöhen. Israel hält die Hügelkette seit dem Sechstagekrieg besetzt.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 15. Mai 2018

Bei neuem Beschuss durch Iran: "Israel würde mit Bodenoffensive reagieren"

Von Benjamin Konietzny

Nach iranischem Beschuss aus Syrien hat Israel mit Raketenangriffen reagiert. Sollte der Iran Israel ein weiteres Mal angreifen, werde das Land eine Bodenoffensive in Syrien starten, sagt ein israelischer Verteidigungsexperte.

Sollten iranische Truppen Israel erneut von syrischem Boden angreifen, wäre nach Ansicht des Verteidigungsforschers Kobi Michael eine breit angelegte Bodenoffensive der israelischen Armee die Folge. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Israel in einem solchen Fall mit einer breit angelegten Bodenoffensive nach Syrien antwortet", sagte Michael im Interview mit n-tv.de.

Bisher streitet die iranische Führung ab, Raketen auf Israel geschossen zu haben. Nach israelischer Darstellung wurden die Flugkörper von iranischen Al-Kuds-Brigaden in Richtung der Golanhöhen abgefeuert. Israel hält die Hügelkette seit dem Sechstagekrieg besetzt. Seit 1981 betrachtet Israel die Gegend als Teil seines Staatsgebiets. International ist dies jedoch nicht anerkannt.

Das Ziel einer solchen Operation der israelischen Armee wäre die "komplette Vernichtung des Assad-Regimes und die Vertreibung sämtlicher iranischer Truppen von syrischem Staatsgebiet", sagte Kobi Michael, der in den Neunzigerjahren als Unterhändler des Oslo-Abkommens tätig war. Michael hat die Vereinbarungen als Kommandeur im Gazastreifen umgesetzt und war stellvertretender Leiter der Palästina-Abteilung des israelischen Ministeriums für strategische Beziehungen.

"Weder Israel noch der Iran oder Russland wollen ein solches Szenario", betonte Michael, der inzwischen am Institut für Nationale Sicherheit der Uni Tel Aviv forscht, bei einem Treffen in London. "Auch Assad will es nicht. Aber er hat nichts zu entscheiden, er ist nur noch eine Marionette." Israel werde es dem Iran aber nicht durchgehen lassen, militärische Kapazitäten auf syrischem Territorium aufzubauen.

Russland ist Michael zufolge aufgrund der steigenden Spannungen an der syrisch-israelischen Grenze in großer Sorge. "Syrien ist ein Projekt der Russen", sagte er. Bisher habe es eine "Konvergenz zwischen den Interessen der Russen und der Iraner" gegeben. "Aber seit dem letzten Angriff Israels auf Stellungen der iranischen Armee in Syrien hat Moskau verstanden, dass der Iran dieses Projekt aufs Spiel setzt."

"Momentan beginnen die Interessen zu kollidieren. Moskau versucht, Teheran in die Schranken zu weisen." Dass Präsident Wladimir Putin den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vergangene Woche mit allen Ehren zum wichtigsten russischen Nationalfeiertag, dem "Tag des Sieges" in Moskau empfangen habe, sei ein erster Versuch gewesen, Israel zu beschwichtigen.

Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, würde die Bodenoffensive Michael zufolge nicht nur auf syrischem Boden stattfinden, sondern "die gesamte Nordfront" einschließen. "Es ist wahrscheinlich, dass israelische Truppen dann auch im Libanon operieren", sagte Michael im Hinblick auf die iranischen Verbündeten der Hisbollah in dem Land.

Das ausführliche Interview mit Kobi Michael können Sie am Samstag bei n-tv.de lesen.

Quelle: n-tv.de