UN-Mission erhebt VorwürfeIsraelische Soldaten rammen Fahrzeuge der Vereinten Nationen mit Panzer

Die UN-Mission im Süden des Libanon gerät seit dem erneuten Ausbruch des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah zwischen die Fronten. Nun wirft Unifil dem israelischen Militär die wiederholte Blockade der Friedenstruppen in der Region vor - und direkte Angriffe.
Die UN-Beobachtermission im Libanon (Unifil) hat Soldaten des israelischen Militärs vorgeworfen, Unifil-Fahrzeuge bei zwei Vorfällen mit einem Panzer gerammt zu haben. In einem der Fälle sei dabei erheblicher Schaden entstanden, schrieb Unifil auf X. Die israelischen Soldaten hätten eine Straße blockiert, über die man zu Stellungen der UN-Mission im Südlibanon gelange.
Zusätzlich schreibt die Mission, dass israelische Soldaten in der vergangenen Woche "Warnschüsse" in dem Gebiet abgegeben hätten, die "eindeutig als solche erkennbare UNIFIL-Fahrzeuge getroffen und beschädigt haben". In einem Fall sei ein solcher "Warnschuss" nur einen Meter von einem Friedenssoldaten eingeschlagen, der gerade aus seinem Fahrzeug ausgestiegen war. Nach Angaben von Italiens Regierung kamen dabei auch italienische Blauhelmsoldaten unter Beschuss.
Die UN-Mission warf israelischen Soldaten auch vor, seit Anfang April Kameras zur Truppensicherung im Unifil-Hauptquartier im Südlibanon sowie an fünf weiteren Stellungen der Blauen Linie zerstört zu haben. Auf X veröffentlichte sie noch weitere Anschuldigungen gegen die israelische Armee, die allesamt auf eine Behinderung der Arbeit der UN-Truppen hindeuten.
Ende März waren binnen 24 Stunden drei indonesische Blauhelmsoldaten bei Explosionen im Libanon getötet worden. Nach vorläufigen Erkenntnissen der Vereinten Nationen waren dafür ein Angriff durch einen Panzer der israelischen Armee sowie eine von der Hisbollah gelegte Sprengfalle verantwortlich.
Die Vereinten Nationen haben seit 1978 Blauhelmsoldaten in der libanesischen Grenzregion zu Israel stationiert. Ihr Auftrag ist es, die Einhaltung des Waffenstillstands zwischen beiden Ländern zu überwachen und zur Deeskalation an der Grenze beizutragen. Aktuell sind daran rund 7500 Soldatinnen und Soldaten aus fast 50 Ländern beteiligt, darunter auch 270 Bundeswehrsoldaten.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Die israelische Armee hatte vergangene Woche nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran ihre Angriffe im Libanon verstärkt und dabei nach eigenen Angaben zahlreiche Stellungen der Hisbollah ins Visier genommen. Dabei wurden allein am Mittwoch mehr als 350 Menschen getötet.