Politik

Verwirrung im Kriegsgebiet Ist Aleppo evakuiert oder nicht?

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Ein syrischer Panzer bewacht einen Konvoi, der zurück in die umkämpften Rebellengebiete fährt.

(Foto: REUTERS)

Die Lage in Aleppo ist chaotisch. Nach russischen Angaben ist die Evakuierung der Rebellen und ihrer Familien abgeschlossen und die Stadt vollständig zurückerobert. Die Rebellen und syrische Vertreter widersprechen mit unterschiedlichen Begründungen.

Einen Tag nach Beginn der Evakuierung von Ost-Aleppo gibt es widersprüchliche Angaben über die aktuelle Lage. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die syrische Armee habe den Osten der Stadt vollständig zurückerobert. Allerdings seien noch einige radikale Kämpfer in Aleppo verblieben und feuerten auf syrische Truppen. In diesen Viertel werde weiter gekämpft.

Den russischen Angaben zufolge haben inzwischen alle verbliebenen Rebellen sowie deren Angehörige Ost-Aleppo verlassen. Mehr als 4500 Kämpfer und 337 Verwundete seien im Rahmen der Evakuierung aus der Stadt gebracht worden, sagte ein russischer Behördensprecher. Insgesamt hätten mehr als 9500 Zivilisten die Stadt verlassen.

Gestoppt oder ausgesetzt?

Mit dieser Darstellung ist Russland allerdings allein. Sowohl die Rebellen als auch Vertreter der syrischen und der türkischen Regierung, die an der Planung der Evakuierung beteiligt war, widersprachen den russischen Angaben.

Ein Sprecher der Rebellengruppe Fastakim erklärte, die Evakuierung sei bei weitem nicht abgeschlossen. Nur Verletzte und einige Zivilisten hätten den Osten Aleppos verlassen. Nach diesen Angaben wollen die verbliebenen Rebellen die Stadt nicht verlassen, bevor nicht alle Zivilisten in Sicherheit sind.

Aus anderen Rebellenkreisen verlautete, Russland habe die Kontrolle über iranische Kräfte verloren, wolle aber nach außen hin nicht schlecht aussehen. Deswegen habe Moskau die Evakuierung für beendet erklärt.

Nach Angaben der syrischen Regierung ist die Evakuierung ebenfalls nicht beendet, sondern nur ausgesetzt. Demnach sollen sich einige Rebellen nicht an die Abmachungen gehalten haben. Das syrische Staatsfernsehen berichtete, sie hätten versucht, "schwere Waffen aus Ost-Aleppo zu schmuggeln und Geiseln zu nehmen". Zudem soll es ein Feuergefecht zwischen regimetreuen Einheiten und Rebellen gegeben haben.

Auch die Orte Fua und Kafraja in Provinz Idlib spielen einem TV-Bericht zufolge eine Rolle. Dort soll die Evakuierung ebenfalls unterbrochen sein, weil die Orte von Rebellen belagert werden. Der syrische Parlamentsabgeordnete Fares Schehabi sagte, die Rebellen ließen die Einwohner nicht aus den Orten hinaus.

Wie viele Menschen sind noch da?

Die Evakuierungsaktion war am Morgen gestoppt worden. Nach unbestätigten Berichten gab es zuvor mindestens vier Explosionen an einem Abfahrtsort der eingesetzten Busse. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen nach Schätzungen von Aktivisten und auch von Seiten syrischer Staatsmedien bis zu 8500 Menschen die Stadt verlassen haben. Die ganze Nacht hindurch pendelten Busse und Krankenwagen zwischen Ost-Aleppo und dem Westen der Provinz. Einige Menschen flohen zudem in ihren Privatautos.

Wie viele Menschen sich derzeit noch in den Rebellengebieten aufhalten, lässt sich nur schwer einschätzen. Vor der Großoffensive der syrischen Armee Mitte November gingen die Vereinten Nationen von 250.000 bis 300.000 Menschen aus. Seitdem sind aber Zehntausende geflohen. Inzwischen sprechen Hilfsorganisationen und andere Beobachter von 50.000 bis 70.000 Menschen, die sich noch in den betroffenen Gebieten aufhalten könnten.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa/AFP

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