Politik

Saar-Wahl-Talk bei "Anne Will" Ist der Schulz-Effekt nur ein Luftschloss?

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Von seinem Einfluss war bei der Saarland-Wahl nicht viel zu spüren: Martin Schulz

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Über den positiven Einfluss des SPD-Kanzlerkandidaten auf die Wählerstimmung wurde in den vergangenen Wochen viel geredet - zu sehen war davon bei der Landtagswahl im Saarland allerdings nichts. Ein Gradmesser für den Rest der Republik?

"Saarland wählt, Berlin zittert": So hatte die Redaktion von "Anne Will" ihre Talksendung vor dem Wochenende angekündigt. Spätestens am Sonntagabend ist klar, dass zumindest für die CDU jegliches Zittern unangebracht war - Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer sitzt fester im Sattel als je zuvor, während die SPD sogar einen Prozentpunkt verliert. Zu besprechen gibt es trotzdem eine ganze Menge, allem voran die Frage, wo bitteschön der vielbeschworene "Schulz-Effekt" geblieben ist.

In Wills Runde diskutieren außer dem "Spiegel"-Journalisten Markus Feldenkirchen diesmal ausschließlich Politiker mit: die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder (CDU) sowie die beiden Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Sahra Wagenknecht (Linke).

"Ich krieg die Krise"

Die Linken-Politikern will den Grund für das schlechte Abschneiden der SPD schon ausgemacht haben: "Schulz hat die Hoffnungen in ihn nicht unterfüttert, sondern immer nur mit vagen Begriffen hantiert", sagt Wagenknecht, und bekommt dafür postwendend die Quittung ihrer SPD-Kollegin: "Ich krieg die Krise, wenn Leute immer wieder sagen, dass Martin Schulz für nichts steht. Er steht für soziale Gerechtigkeit, für mehr Europa", sagt Dreyer und zählt noch eine Handvoll weiterer Beispiele auf.

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Wills Gäste, von links nach rechts: Katrin Göring-Eckardt, Markus Feldenkirchen, Sahra Wagenknecht, Malu Dreyer und Volker Kauder.

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Ob und wofür der SPD-Kanzlerkandidat nun steht, ist für Markus Feldenkirchen erst einmal egal, der "Spiegel"-Journalist stellt lieber eine eigene These auf: "Der Schulz-Effekt ist für mich eine Art infantile Wahlbetrachtung. Ich gehe davon aus, dass die Wahl im Saarland mit der Bundestagswahl so gut wie gar nichts zu tun hat." Vielmehr sei es so, dass eine kraftvolle Führungspersönlichkeit in der Landesregierung die bundesweite Parteiarbeit immer überlagert - was man an den Wahlergebnissen in Baden Württemberg (Winfried Kretschmann, Grüne), in Rheinland-Pfalz (Malu Dreyer, SPD) und jetzt eben im Saarland mit Annegret Kramp-Karrenbauer sehen könne.

Während Feldenkirchens These bei allen Diskussionsteilnehmern bis auf Wagenknecht generell auf fruchtbaren Boden fällt, ist Unions-Politiker Kauder ein Zusatz besonders wichtig: "Selbstverständlich standen hier nicht Schulz und Merkel zur Wahl, aber natürlich spielt die Bundestagswahl eine Rolle. Denn wie Sie richtig sagen, bleiben gute Regierungschefs im Amt - und Angela Merkel ist eine gute Regierungschefin." Göring-Eckardts schnaubt empört auf: "Angela Merkel hat sich ihre Haltung von Herrn Seehofer auf dem Stammtisch zerbröseln lassen, das unterscheidet sie von den drei angesprochenen Ministerpräsidenten."

Alle reden kreuz und quer durcheinander

Mit der leidlich objektiven Analyse des Saar-Ergebnisses hat es sich dann nach knapp zwanzig Minuten auch schon wieder, die Antwort der Grünen-Vorsitzenden ist das ultimative Startsignal für die anwesenden Politiker, in den Wahlkampfmodus umzuschalten. In der Folge redet Sahra Wagenknecht sehr viel über soziale Gerechtigkeit und die Abschaffung der Nato, während sich Volker Kauder in Selbstzufriedenheit übt und das angespannte Verhältnis mit der CSU schönredet. Katrin Göring-Eckardt möchte den Fokus derweil wieder mehr auf ökologische Themen lenken - obwohl das bei den Wählern momentan so gar nicht anzukommen scheint. Lediglich Malu Dreyer versucht noch ein paar Mal, den ursprünglichen Faden wieder aufzunehmen.

Dass ihr das nicht gelingt, liegt daran, dass genau das passiert, was immer passiert, wenn drei Politiker oder mehr in Anne Wills Talkrunde versammelt sind: Alle reden kreuz und quer durcheinander, Inhaltliches findet kaum noch Platz. Kurz gesagt: Es geht zu wie auf dem Fischmarkt, nur dass man am Ende dieser Sendung nicht mit einer Mahlzeit entschädigt wird.

Immerhin aber wissen die Zuschauer nun, warum es so undankbar ist, mit der Bundeskanzlerin zu koalieren. Angela Merkel ist nämlich, botanisch gesehen, eine Schwarznuss, wie Markus Feldenkirchen weiß: "Das ist ein prachtvoller Baum, der allem um ihm herum den Saft abgräbt und das Licht nimmt." Eh wurscht, ist Volker Kauder überzeugt: "Am Ende werden wir zu hundert Prozent regieren, ganz egal, was für schräge Pflanzenbilder sie bringen."

Quelle: ntv.de