Politik

Kaiser gibt Amt an Sohn weiter Japans neue Ära heißt "Reiwa"

118859305.jpg

Regierungssprecher Yoshihide Suga präsentiert den künftigen Äranamen auf einer Kalligraphie mit den beiden Schriftzeichen für "Reiwa" bei einer live im ganzen Land übertragenen Pressekonferenz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Japan steht vor einer Zeitenwende. Am 1. Mai wird Kronprinz Naruhito neuer Kaiser und damit beginnt eine neue Ära. Jetzt gibt die rechtskonservative Regierung schon mal den Namen bekannt - ein Vorgang, der von großer Symbolik und politischer Bedeutung ist.

Japans rechtskonservative Regierung hat der Ära des künftigen Kaisers Naruhito den Namen "Reiwa" gegeben - und damit nach Meinung eines Tenno-Experten ein Zeichen der Rückkehr zum Nationalismus gesetzt. "Reiwa" beginnt am 1. Mai, wenn Naruhito die Nachfolge seines Vaters, Kaiser Akihito, antritt. Der 85-jährige beliebte Tenno, dessen Regentschaft den Namen Heisei ("Frieden schaffen") trägt, dankt am 30. April aus gesundheitlichen Gründen ab. Er ist der erste Kaiser in der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimacht.

"Reiwa" bedeute, dass eine Kultur geboren werde und wachse, wenn die Menschen auf "schöne" Weise zusammenkommen und füreinander sorgen, erläuterte Ministerpräsident Shinzo Abe die Bedeutung der Ära-Devise. Seine rechtskonservative Regierung brach bei der Auswahl des Namens für den künftigen Kaiser mit der bisherigen Tradition, sich dabei auf klassische Literatur Chinas zu beziehen. Stattdessen nahm man erstmals seit 1300 Jahren einen japanischen Klassiker als Referenz, die Gedichtanthologie "Manyoshu" aus dem 8. Jahrhundert.

Strenge Regeln für Namenswahl

Ausgewählt wurde der Name der neuen Ära unter strenger Geheimhaltung. Ein Gremium aus neun Mitgliedern, darunter ein Nobelpreisträger, wurde für seine Beratungen in einem der Amtszimmer des Premierministers eingeschlossen. Keiner von ihnen durfte ein Telefon mit hinein nehmen, außerdem wurde sichergestellt, dass der Raum nicht verwanzt ist.

Japans 248. Ära-Name sei symbolisch für Japans reiche Kultur und lange Tradition, erklärte Abe, der gegenüber dem wirtschaftlich und militärisch erstarkenden Nachbarstaat China oft einen harten außenpolitischen Kurs fährt und das heutige Japan in ein nach eigenen Worten "schönes Land" verwandeln will.

Für Ära-Namen gibt es in Japan strenge Vorschriften. Sie müssen einfach zu lesen und zu schreiben sein, dürfen weder Markennamen noch beliebte Eigennamen enthalten, und auch nicht das Anfangszeichen der vier vorhergehenden Äras. Außerdem setzt sich der Name einer Ära traditionell aus nur zwei Schriftzeichen zusammen. Im Begriff "Rei" schwingen Bedeutungen wie "Ordnung" und "glückbringend" mit, "Wa" wird meist mit "Frieden" oder "Harmonie" übersetzt.

Finanzmarkt hofft auf Hochkonjunktur

Die zuletzt eher instabilen Finanzmärkte erhoffen sich einen Aufschwung dank der Nachfrage, die durch die neue Ära entsteht: So berichten etwa Unternehmen, die Siegel für offizielle Dokumente herstellen, von umfangreichen Vorbestellungen. "Aktien, die mit der neuen Ära zu tun haben, werden bereits intensiv gekauft", sagte Börsenmakler Toshikazu Horiuchi von der Firma IwaiCosmo Securities. "Wir hoffen, dass die Festtagsstimmung dem ganzen Markt zu einem Aufschwung verhilft."

Seit Einführung der kaiserlichen Zeitrechnung im 7. Jahrhundert gab es fast 250 "gengo", wie sie auf Japanisch heißen. Früher riefen Kaiser auch mitten in ihrer Regentschaft eine neue Ära aus, zum Beispiel, um nach Naturkatastrophen einen Neustart zu markieren. In jüngerer Zeit umfasste eine Ära jedoch immer die gesamte Herrschaft eines Kaisers.

Quelle: n-tv.de, joh/dpa/AFP

Mehr zum Thema